Gespannt wartete und hoffte eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern der Theodor Heuss Grundschule aus dem baden-württembergischen Eppelheim auf ihren Auftritt. Dann gab es strahlende Gesichter, als die Jugendlichen mit ihren Lehrern, begleitet vom lautstarken Beifall des Publikums, die Bühne betraten, um die Trophäe des digita2005 entgegenzunehmen.
Die Grundschüler gehörten zu den Stars bei der Verleihung des deutschen Bildungssoftware-Preises am 1. März auf der Bildungsmesse didacta in Stuttgart. Der „digita” wurde in diesem Jahr zum zehnten Mal für besonders gelungene multimediale Lernangebote vergeben – unter anderem an die Schüler aus Eppelheim. Sie wurden mit dem Förderpreis für nicht kommerziell vertriebene Programme ausgezeichnet – für die CD-ROM „Schrift”, die sie entwickelt, gestaltet und produziert haben. Die Jury des renommierten Software-Preises war vom Ergebnis begeistert – einer sehr lebendigen und vielseitigen Darstellung von Entstehung und Nutzen der Schrift, von den ersten Höhlenmalereien bis zu den heutigen Schriftzeichen.
„Dabei ist es unwichtig, dass die von den Kindern für andere Kinder entworfene Software an der einen oder anderen Stelle technisch nicht ganz vollkommen ist”, betonte Wilfried Hendricks, Leiter des Instituts für Bildung in der Informationsgesellschaft (IBI) an der Technischen Universität Berlin.
Weitaus strenger als beim Förderpreis sehen die Maßstäbe der Juroren bei der Bewertung von kommerziellen Produkten aus, die Medienprofis entwickelt haben. Hier kann nur Anspruch auf den Preis erheben, was höchsten Qualitätsanforderungen standhält. Eine gelungene pädagogisch-didaktische Gestaltung zählt ebenso zu den Kriterien für die Vergabe des digita-Siegerlogos wie eine für den Lernenden inhaltlich und technisch gute Aufbereitung der Thematik.
Von den 96 für den diesjährigen Wettbewerb von Hochschulen, Medienhäusern und Verlagen eingereichten Computerprogrammen und Online-Angeboten fand nur jedes fünfte die Gunst der Juroren. 20 Produkte wurden nach einer zwei Tage dauernden Sitzung von der achtköpfigen Jury für den digita2005 nominiert, 12 schließlich als Sieger in unterschiedlichen Kategorien ausgezeichnet.
„Der digita-Preis trägt maßgeblich zur Qualitätsentwicklung von Bildungssoftware bei”, lobte die Schirmherrin des digita2005, die baden-württembergische Kultusministerin Annette Schavan. Das sei umso wichtiger, da pädagogisch gut gestaltete Software eine wertvolle Bereicherung für Schule und Unterricht darstelle. „Der Einsatz neuer Medien in den Schulen ist kein Selbstzweck, sondern ein Mittel, um Bildung und Erziehung zu stärken”, sagte Schavan. Pädagogisch sinnvolle Bildungssoftware könne bei der Vermittlung elementarer Kulturtechniken wie Lesen und Schreiben einen wichtigen Beitrag leisten.
Dem Ziel, das zu unterstützen, fühlen sich die Träger von digita seit 1995 verpflichtet. Insgesamt 903 eingereichte Produkte ließen sie seit der ersten Ausschreibung des Wettbewerbs von Fachleuten begutachten, 102 Produkte schafften es, sich mit dem begehrten Siegerlogo schmücken zu dürfen.
Um den Preis an veränderte Anforderungen in Schule und Ausbildung anzupassen und um der technischen Weiterentwicklung der neuen Medien gerecht zu werden, hoben die Juroren in den letzten zehn Jahren immer wieder neue Preiskategorien aus der Taufe. So wurde auch dieses Jahr eine neue digita-Kategorie eingeführt, die „pädagogische Systemlösungen” auszeichnet. Als erstes Produkt erhielt diese Ehrung der MTS Educator von MTS Reinhardt aus dem niedersächsischen Holle: ein System, das es Lehrern erlaubt, ein Netz von Computern im Klassenraum auf einfache Weise zu betreuen und zu steuern. „Dadurch können die Pädagogen mehr Zeit der Betreuung ihrer Schüler widmen, statt die Rechner technisch zu verwalten”, würdigt die Jury.
Wie viel Wert bei der Vergabe von digita auf eine hohe Qualität gelegt wird, bewies die Jury, indem sie auf eine Auszeichnung in der Kategorie „allgemeinbildende Schulen, Klasse 1–4″ verzichtete. „Keines der eingesandten Software-Produkte erschien preiswürdig”, berichtet IBI-Chef Wilfried Hendricks. Ralf Butscher ■
Weitere Infos zu den Preisträgern, der Jury und Hinweise für eine Bewerbung um digita2006 gibt es unter: www.digita.de





