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Der Kittel-Effekt: Was Studien über Kleidung und Verhalten verraten
Gesellschaft & Psychologie

Der Kittel-Effekt: Was Studien über Kleidung und Verhalten verraten

Macht Kleidung den Menschen? Studien zeigen: Sie prägt nicht nur den ersten Eindruck, sondern auch unsere Selbstwahrnehmung. · Foto: © ovariancancer1

Ein Laborkittel ist zunächst nur ein Kleidungsstück. In psychologischen Experimenten hat sich aber gezeigt, dass durch einen solchen Kittel nicht nur der erste Eindruck beeinflusst wird, sondern auch das eigene Rollenverständnis. In einer aktuellen Meta-Studie wurden zwölf Branchenanalysen und psychologische Studien ausgewertet. Dabei wird unter anderem deutlich, wie eng die Kleidung, die Selbstwahrnehmung und das eigene Verhalten miteinander verbunden sein können.
Autor
Externer Onlineartikel
08. Juni 2026
Lesezeit
2 Minuten
Rubrik
Gesellschaft & Psychologie

Wenn die Kleidung eine Rolle aktiviert

Im Mittelpunkt der von BP durchgeführten Meta-Studie zur psychologischen Wirkung von Berufsbekleidung steht unter anderem das Konzept der „Enclothed Cognition“. Dieses beschreibt, wie Verhalten und Wahrnehmung von Arbeitskleidung beeinflusst werden können. Dabei ist nicht nur die Funktion des Kleidungsstücks entscheidend, sondern vor allem auch, welche Bedeutung ihm zugeschrieben wird. So steht zum Beispiel ein Kittel für Sorgfalt, Fachwissen und Verantwortung. Die Studienteilnehmer, die einen solchen Kittel trugen, machten in Aufmerksamkeitstests deutlich weniger Fehler.

Laborkittel, Arztkittel und die Fehlerquote

Die Studie zeigt, dass „ausgewählte Kleidung kognitive Ressourcen“ aktiviert. In einer Versuchsreihe mit Laborkitteln machten die Teilnehmer mit Kittel rund 50 Prozent weniger Fehler als diejenigen ohne Kittel. Wurde der Kittel als Arztkittel betrachtet, hat das den Effekt noch einmal deutlich verstärkt. Dabei war das tatsächliche Tragen von Bedeutung. Die Vorstellung allein reichte nicht aus, um die zugehörige Rolle zu aktivieren.

Die Kleidung als Teil der beruflichen Identität

Laut der Studienanalyse verbinden Pflegefachkräfte ihre Kleidung häufig mit einem empathischen und hilfsbereiten Selbstverständnis, was sich auch auf ihr Auftreten im Arbeitsalltag auswirkt.

Dieser Effekt ist nicht auf bestimmte Arbeitsbereiche oder Branchen beschränkt. Die Meta-Studie ordnet die Berufsbekleidung zum Beispiel auch im Handwerk als sichtbares Zeichen für Kompetenz und praktische Erfahrung ein. Auch in anderen Bereichen beeinflusst die Kleidung sowohl die Selbstwahrnehmung ihres Trägers als auch dessen Eindruck auf andere Menschen.

Kleidung kann auch alltägliche Entscheidungen beeinflussen

Eine weitere in der Analyse aufgegriffene Studie zeigt, dass Kleidung sogar über das Arbeitsumfeld hinaus wirken kann. In dieser Studie ging es um den Zusammenhang zwischen Kleidungsstil und Essentscheidungen. Förmliche Kleidung wird eher mit Selbstkontrolle, Ordnung und Disziplin verbunden, während Freizeitkleidung stärker für Lockerheit und Spontanität steht.

Diese Assoziationen können offenbar beeinflussen, zu welchen Optionen Menschen beim Essen greifen. Personen in formeller Kleidung entschieden sich in der Studie häufiger für die gesündere Option.

Statussignale verändern das Auftreten

Die Meta-Studie befasst sich auch mit der Frage, ob Kleidung unterbewusst als Statussignal dienen kann. In einer Untersuchung traten Probanden in statusbetonter Kleidung dominanter auf, erzielten bessere Verhandlungsergebnisse und machten weniger Zugeständnisse. Die Unterschiede spiegelten sich laut Analyse sogar in höheren Testosteronwerten wider. Kleidung macht Menschen zwar nicht automatisch durchsetzungsfähig, aber sie kann die innere Haltung und damit auch das Auftreten entsprechend beeinflussen.

Zwischen Kompetenz und Nähe

Menschen beurteilen andere Menschen nicht ausschließlich nach ihrer Kompetenz. Auch Vertrauen und Empathie spielen je nach Kontext eine mehr oder weniger große Rolle. Die Studienanalyse verweist deshalb darauf, dass Berufskleidung je nach Branche unterschiedlich wirken muss.

So kann zum Beispiel ein weißer Kittel medizinische Kompetenz vermitteln. Bei einer Befragung bevorzugten 76,3 Prozent der Teilnehmer Ärzte, die einen weißen Kittel trugen. Gleichzeitig darf professionelle Kleidung aber nicht zu unnahbar wirken.

Was die Studienanalyse für Berufsbekleidung bedeutet

Arbeitskleidung macht die Rolle ihres Trägers sichtbar und kann die Konzentration auf die berufliche Aufgabe fördern. Sie steigert außerdem die Selbstsicherheit und kann Vertrauen schaffen. Die Meta-Studie zeigt deutlich, dass Berufskleidung nicht nur funktionale Aufgaben erfüllt, sondern auch Erwartungen, Rollenbilder und Verhalten prägen kann.

ArztKittelKleidungPsychologieSelbstwahrnehmung

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