Unangenehm bis belastend: Das Ekelgefühl hat kein gutes Image – doch objektiv betrachtet, handelt es sich um einen überlebenswichtigen Schutzmechanismus, der uns ähnlich wie die Angst vor Gefahren bewahrt. Die Empfindung gilt dabei als ein Mechanismus, der sich im Laufe der menschlichen Evolution als Grundlage für das Vermeidungsverhalten zum Schutz vor Krankheitserregern und Ektoparasiten herausgebildet hat. Sinneseindrücke von verdorbener Nahrung, Exkrementen, Körperflüssigkeiten sowie von potenziell krankheitsübertragenden Hautparasiten rufen dabei vielschichtige Ekelreaktionen und Verhaltensweisen hervor. Doch inwieweit sind sie an die beiden unterschiedlichen Auslöser-Kategorien angepasst? Dieser Frage sind die Forscher um Tom Kupfer von der Nottingham Trent University im Rahmen ihrer Studie nachgegangen.
Ekelreaktionen erfasst
Sie führten dazu Untersuchungen mit insgesamt 1079 Teilnehmern in den USA und China durch. Die Probanden sahen dabei eine Reihe von Videoclips, die unterschiedliche Mikroben- oder Ektoparasiten-relevante Szenen zeigten. Zu sehen waren etwa Fäkalien, Aufnahmen von Hauterkrankungen oder aber Darstellungen von Zecken, Flöhen und Co. Die Probanden sollten dazu auf einem Formular mit verschiedenen Kategorien angeben, inwieweit sie körperliche Empfindungen bei der Betrachtung eines jeweiligen Clips wahrnahmen beziehungsweise welche Verhaltensreaktionen sie bei sich feststellten. Neben „Übelkeit“ oder „Juckreiz“ gehörten dazu auch detailliertere Aspekte wie „Gänsehaut“, „zitterndes Erschauern“, „beklemmendes Gefühl im Hals“, oder das Bedürfnis nach verschiedenen Formen der Reinigung.
Wie die Forscher berichten, zeichnete sich in ihren Auswertungen ab: Auch wenn die Studienteilnehmer ihr Grundgefühl mit einem allgemeinen Begriff für Ekel bezeichneten, zeigten sich deutliche Unterschiede je nach Stimulus. Hinweise auf Krankheitserreger lösten demnach eher Ekelreaktionen aus, die funktionell mit der Vermeidung von verschluckbaren, potenziell durch Mikroben kontaminierten Medien verbunden sind. Das Gefühl im Zusammenhang mit dem Anblick von Ektoparasiten war hingegen vergleichsweise stark mit sensorischen Hautreaktionen und pflegerischen Verhaltensbedürfnissen verbunden, die einem Schutz der Körperoberfläche dienen können.
Zudem zeigte sich: Krankheits-Hinweise auf der menschlichen Haut, wie Warzen oder infizierte Läsionen, lösten nicht die für Parasiten typischen Reaktionen aus, sondern eher oral-gastrische Effekte. Dies deutet darauf hin, dass nicht generell eine Verknüpfung mit der Haut zu den Wirkungen führt. „Aus den Ergebnissen geht hervor, dass der Mensch über ausgeprägte psychologische und verhaltensbezogene Abwehrmechanismen gegenüber Ektoparasiten verfügt, die sich von denen bei Reaktionen auf Krankheitserreger deutlich unterscheiden“, resümieren die Wissenschaftler.





