Es grummelt im Bauch, das Herz rast oder gerät aus dem Takt… „Irgendwas stimmt mit mir nicht“. Die Fähigkeit, unseren inneren Zustand und bestimmte Prozesse zu erkennen, kann auf Probleme im Körper hinweisen, die unsere Aufmerksamkeit erfordern. „Die Interozeption, die Selbstüberwachung unserer physiologischen Systeme, spielt in vielen Bereichen des menschlichen Lebens eine Rolle”, sagt Eliza Bliss-Moreau vom California National Primate Research Center in Davis. Sie und ihre Kollegen interessieren sich auch aus einem speziellen Grund für dieses Wahrnehmungssystem: Aus Studien geht hervor, dass eine gestörte interozeptive Wahrnehmung mit einer geringeren Fähigkeit zur Emotionsregulierung und einer erhöhten Anfälligkeit für psychische Probleme verbunden ist. Bestimmte Verfahren zielen deshalb auch schon lange auf eine Steigerung des eigenen Körpergefühls ab. Unter anderem werden Menschen dabei auch dazu angehalten, gezielt den eigenen Herzschlag wahrzunehmen.
Haben auch Tiere den Sinn für ihren Körper?
Zu den Hintergründen der offenbar komplexen Bedeutung der Interozeption gibt es allerdings noch viele offene Fragen. Unklar ist etwa, welche evolutionären Ursprünge die Selbstwahrnehmung hat und inwieweit auch Tiere dazu fähig sind. Um neue Hinweise zu erhalten, haben Bliss-Moreau und ihre Kollegen nun Experimente mit Rhesusaffen durchgeführt: Sie gingen dabei der Frage nach, inwieweit die Tiere intuitiv ihren eigenen Herzschlag von anders getakteten Frequenzen unterscheiden können.
Die Versuchstiere saßen dazu vor einem Bildschirm, der eine visuelle Darstellung von Herzschlägen anzeigte und zudem dazu passende Töne erzeugte. Bei einigen Durchläufen wurde den Tieren eine Darstellung ihrer eigenen Herzfrequenz präsentiert, die über Elektroden am Arm erfasst wurde. Im anderen Fall wurde eine asynchrone Herzfrequenz dargestellt – ein Herzschlag, der entweder schneller oder langsamer als der des Tieres war. Bei allen Durchläufen erfasste ein Eyetracker die Augenbewegungen des jeweiligen Affen.
Die Auswertungen ergaben: Alle Affen im Test verbrachten mehr Zeit mit der Betrachtung von Reizen, die nicht im Rhythmus ihres eigenen Herzschlags präsentiert wurden, als mit denjenigen, die ihrem eigenen entsprachen. Wie die Wissenschaftler erklären, ist dies als ein Zeichen zu werten, dass sie den eigenen Herzschlag mit den audiovisuellen Informationen in Verbindung bringen konnten. Denn aus vielen Studien ist bereits bekannt, dass Menschen – inklusive Babys – sowie auch Affen länger auf Dinge schauen, die sie als überraschend oder unerwartet empfinden. Die Wissenschaftler interpretieren die Ergebnisse deshalb als ersten experimentellen Beleg dafür, dass Rhesusaffen eine dem Menschen ähnliche Fähigkeit besitzen, ihren Herzschlag wahrzunehmen und somit ebenfalls einen interozeptiven Sinn aufweisen.





