Die Erforschung des Phänomens hat bereits eine lange Tradition: Schon in den 1950er Jahren hat der Psychologe Salomon Asch durch Konformitätsexperimente gezeigt, wie sehr eine Gruppe die Meinung eines Einzelnen beeinflussen kann. Das Prinzip: Die Versuchspersonen sollen eine bildliche Darstellung beurteilen und hören dazu die bewusst falsche Einschätzung anderer Personen, die in das Experiment eingeweiht sind. Die Probanden übernehmen dann häufig die falsche Meinung der Mehrheit, obwohl sie unter anderen Umständen zur richtigen Interpretation der Abbildung gelangt wären.
Konformitätsexperimente mit futuristischem Touch
Die Forscher um Anna-Lisa Vollmer von der Universität Bielefeld haben dem Konformitätsexperiment nun einen futuristischen Touch verliehen: In ihren Versuchen bildeten nicht Menschen die „eingeweihte“ Gruppe, sondern drei kleine Roboter vom Typ Nao. Es handelt sich um sogenannte Humanoide mit menschlichen Merkmalen, die sprechen und gestikulieren können. Im ersten Teil der Studie untersuchten die Forscher, ob Erwachsene ihr Urteil an das der drei anwesenden Roboter anpassen.
Im Rahmen der Versuche sahen die Versuchspersonen auf einem Bildschirm einen senkrechten Strich. Sie sollten dessen Länge mit drei weiteren Strichen (A, B und C) vergleichen und sagen, welcher dieser Striche gleich lang ist. Zunächst überprüften die Wissenschaftler erneut den Effekt des Grundprinzips des Konformitätsexperiments mit drei menschlichen Eingeweihten: Wenn die richtige Antwort „B“ lautete, behaupteten sie zum Beispiel fälschlicherweise „C“ sei die korrekte Antwort. Für das eigentliche Experiment wurden diese Experimente dann mit Erwachsenen durchgeführt, die es mit den sprechenden Robotern als eingeweihte Meinungsvertreter zu tun hatten.
Erwachsene nicht – Kinder aber durchaus
Es zeigte sich: Wie zu erwarten war, neigten die Versuchspersonen dazu, sich dem falschen Urteil der menschlichen Meinungsvertreter anzupassen. Doch interessanterweise war das bei den Robotern nicht der Fall, zeigten die Auswertungen. „Erwachsene halten der Beeinflussung stand, obwohl sie sich in der gleichen Situation von anderen Menschen beeinflussen lassen würden“, resümiert Vollmer.
Wie der zweite Teil der Studie ergab, gilt dies aber offenbar nicht für Kinder. Das Versuchs-Konzept mit den sieben bis neun Jahre alten Probanden war das gleiche wie bei den Erwachsenen – aber mit abweichendem Resultat: „Kinder geben dem sozialen Druck nach, den die Gruppe von Robotern ausübt“, berichtet Vollmer. Offenbar hatten die jungen Probanden dem Urteilsvermögen der kleinen künstlichen Personen eine ausschlaggebende Bedeutung beigemessen. „Obwohl Kinder als künftig bedeutende Nutzergruppe angesehen werden, ist bis jetzt kaum bekannt, welchen Einfluss Roboter auf Kinder haben und wie sich Roboter-Verhalten auf die kindliche Entwicklung auswirkt“, betont Vollmer.





