von JAN SCHWENKENBECHER
Glücklicher werden – das kann doch nicht so schwer sein, oder? Das Angebot an Maßnahmen zur Glückssteigerung, die online zu finden sind, ist jedenfalls groß: Lächle, mach Sport, sei dankbar, führe ein Tagebuch, bleib mal stehen und rieche an den Rosen, finde einen tollen Job, gehe häufiger nach draußen (das Glück soll bei 14 Grad am größten sein), räume auf, triff Freunde, lebe nach deinen Werten, werde ein Stress-Resistenz-Ninja, wirf dein Telefon weg, hol dir ein Haustier (oder eine Pflanze), sei großzügig, denke über eine Therapie nach, trink Kaffee, verdiene mindestens 75.000 US-Dollar im Jahr, meditiere, habe die richtige Menge Sex, vergleiche dich nicht, höre Musik, denk nicht zu viel nach, hilf anderen, finde einen Sinn im Leben, verkürze deinen Weg zur Arbeit (ein kurzer Arbeitsweg ist mehr wert als ein großes Haus), tanze, erlebe mehr Flow, mach Komplimente, mach dir selbst Komplimente, suche dir ein neues Hobby, minimiere Stress, lies Bücher, lache mehr, mach Mittagspausen, hör auf zu jammern, dehne dich.
Aber wenn es tatsächlich so viele funktionierende Wege gibt, warum wird die Suche nach dem Glück dann immer wieder in unzähligen Zeitschriften und Büchern, in Podcasts, Seminaren oder Webinaren thematisiert? Müssten nicht langsam alle ihr persönliches Glück schon gefunden haben?
Ein Verdacht kommt auf: Womöglich helfen die ganzen Tipps und Tricks doch nicht so gut wie angepriesen, zumindest nicht bei jedem Menschen gleich gut. Oder vielleicht ja nur einige, aber nicht alle. Bloß welche? Und können sie das Glück nachhaltig steigern? Oder heben sie nur für ein paar Stunden oder Tage die Laune?
Forschung zum Thema Glück gibt es jede Menge. Doch in einer jüngst erschienenen Überblicksuntersuchung zeigt sich, dass die allermeisten der verbreiteten Glücksteigerungsstrategien keine solide wissenschaftliche Grundlage haben. Ein paar wenige aber schon.
Der Glücksbegriff
Doch vor dem genauen Blick auf die besagte Untersuchung scheint es angeraten, zunächst den Begriff zu klären. Was ist überhaupt gemeint, wenn von „Glück“ die Rede ist? Bereits in der griechischen Philosophie nimmt die Glückseligkeit – die Eudaimonia – einen zentralen Aspekt in den Gedanken und Schriften vieler antiker Denker ein. Vielleicht sogar den zentralsten, denn sowohl für Platon als auch Aristoteles stellt das Streben nach Glück die grundsätzliche Motivation menschlichen Handelns dar.
Platon geht davon aus, dass Menschen ihr Glück erreichen, wenn der rationale, der spirituell-mutige und der begehrende Teil der Seele im Einklang sind, wobei der rationale Teil führen sollte. Für Aristoteles hingegen ist Eudaimonia das Ergebnis eines Lebens, das gemäß der Vernunft und in Übereinstimmung mit den Tugenden gelebt wird. Sie ist für ihn sogar das höchste Ziel des menschlichen Lebens, da sie die einzige Sache sei, die wir um ihrer selbst willen erstreben, nicht um damit etwas anderes zu erreichen.





