Alltag auf den Grossflughäfen der Welt: Lange Warteschlangen vor den Schaltern, ärgerliche Verspätungen. Obwohl viele Flughäfen ihre Kapazitätsgrenzen erreicht haben, wird die Zahl der Fluggäste in den nächsten 20 Jahren nach Prognosen um rund ein Drittel zunehmen. Dabei ist der weitere Ausbau der Airports eine unpopuläre und teure Lösung. Der neue Kipprotor könnte bei der Entschärfung der Probleme helfen. Das Fluggerät startet senkrecht wie ein Helikopter und fliegt wie ein normales Flugzeug. Zum Start werden die Rotoren an den Flügelenden waagerecht gestellt und in der Beschleunigungsphase langsam in die senkrechte Position geschwenkt. Im Vergleich zu einem Helikopter hat der Kipprotor die vierfache Reichweite bei doppelter Geschwindigkeit. Nach einer Studie der europäischen Flugsicherungsbehörde Eurocontrol könnte man durch den Einsatz von Kipprotoren die Kapazität eines Großflughafens um etwa 30 Prozent erhöhen. Weil Kipprotoren keine Start- und Landebahn benötigen, entfallen zeitaufwändige Rollmanöver und Warteschleifen beim Anflug auf überlastete Landebahnen. Die Studie empfiehlt den Einsatz des Fluggeräts besonders bei Kurzstreckenflügen. Dort könnte man mit einem Rückgang der Verspätungen um 40 Prozent rechnen. Erste Prototypen wurden in Deutschland entwickelt und flogen schon in den sechziger Jahren. Damals sah man hierzulande aber keinen Bedarf und verkaufte die Technologie an die NASA. Seit Mitte der achtziger Jahre befinden sich mehrere Maschinen bei den US-Streitkräften im Einsatz, wo die Technik bei über 5000 Flugstunden erprobt wurde. Dem US-Hersteller Bell/Augusta Aerospace liegen für eine zivile Version mit 6 bis 8 Sitzen bereits mehr als 80 Bestellungen vor. Die Firma hat auch ein Konzept für einen großen, von vier Rotoren angetriebenen Kipprotor entwickelt.
Sebastian Moser





