Der Chemnitzer Soziologe Bernhard Nauck warnt vor den gesellschaftlichen Auswirkungen des Kindermangels in Deutschland. Um die Zahl der Deutschen nicht zu verringern, müsste theoretisch jede Frau 2 Kinder auf die Welt bringen. Tatsächlich seien es aber im Westen durchschnittlich 1,4 Kinder und im Osten 1 Kind. In Deutschland gebe es zudem so viele kinderlose Frauen wie in keinem anderen Land der Welt. Dieses Zusammenschmelzen der jungen Generation hat laut Nauck weitreichende Folgen: „In einigen Jahren droht die Schließung von Kindergärten, Schulen und Universitäten und auch im ganz privaten Bereich müssen wir mit einer Schieflage rechnen.” Nauck ist sicher, dass sich auf dem Heiratsmarkt in Ostdeutschland bald zwei Männer um eine Frau bemühen werden: „Es ist erwiesen, dass bei einem Schrumpfen der Bevölkerung der Männerüberschuss wächst.” Inzwischen würden mehr Jungen als Mädchen geboren und außerdem wanderten im Osten doppelt so viele junge Frauen in den Westen ab wie Männer. Schlimme Folgen habe dies gerade für schlecht ausgebildete Männer in den neuen Ländern, da sich Frauen bei einem Überangebot eher für die finanziell lukrativere Partie entscheiden würden. Um eine Überalterung Deutschlands zu verhindern, fordert Nauck mehr Einwanderung und eine bessere Familienförderung.
Hans Groth





