Salz ist ein lebenswichtiger Mineralstoff für unseren Körper. Doch zu viel davon sollten wir auch nicht zu uns nehmen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt für Erwachsene eine Zufuhr von maximal fünf Gramm pro Tag – das entspricht in etwa einem gestrichenen Teelöffel. Tatsächlich überschreiten viele Menschen diesen Grenzwert jedoch deutlich. Mit potenziellen Gesundheitsfolgen: Eine salzreiche Kost kann bei manchen Menschen den Blutdruck in die Höhe treiben und dadurch Herz-Kreislauf-Leiden wie Herzinfarkt und Schlaganfall fördern. Darüber hinaus scheint Natriumchlorid unser Immunsystem zu beeinflussen. So legen Studien nahe, dass eine salzreiche Ernährung womöglich das Risiko für Allergien und Autoimmunerkrankungen erhöht. Bei Infektionen mit bestimmten Hautparasiten kann Salz den Heilungsprozess dagegen sogar beschleunigen.
Ein Vielfaches mehr Keime
“Der Effekt von Salz auf das körpereigene Abwehrsystem wird kontrovers diskutiert und es ist noch immer unklar, wie sich hohe Natriumchloridwerte auf die unterschiedlichen Populationen von Immunzellen auswirken”, erklären Katarzyna Jobin vom Universitätsklinikum Bonn und ihre Kollegen. Um mehr herauszufinden, haben die Forscher nun den Einfluss salzreicher Kost auf den Verlauf bakterieller Infektionen untersucht. Für ihre Studie fütterten sie Mäuse zunächst eine Woche lang mit übermäßig salzhaltiger Nahrung. Dann beobachteten sie, wie die Nager mit einer von Escherichia coli-Bakterien verursachten Harnwegsinfektion zurechtkamen. Dabei offenbarte sich: Im Vergleich zu Mäusen, die normal oder salzarm ernährt worden waren, verlief die Infektion bei diesen Tieren deutlich schlimmer.
Ein ähnliches Bild ergab sich bei einer systemischen Infektion mit Listerien – Keimen, die zum Beispiel in verunreinigten Lebensmitteln vorkommen und Fieber, Erbrechen und Blutvergiftungen auslösen können. Wie die Wissenschaftler feststellten, kam das Immunsystem der salzreich ernährten Mäuse messbar schlechter gegen diese Erreger an. Dies zeigte sich insbesondere an der Bakterienlast im Körper: “In Milz und Leber dieser Tiere zählten wir eine 100- bis 1000-fache Menge der krankmachenden Keime”, berichtet Jobin. Als Folge heilte die Infektion deutlich langsamer ab.
Geschwächte Neutrophile
Wie aber lässt sich dieser Effekt erklären? Wie das Forscherteam herausfand, spielt die Reaktion der Nieren auf das Salz eine Rolle. Mit Ausnahme der Haut, die als Salzspeicher fungiert, wird überschüssiges Salz im Körper nicht angereichert. Stattdessen filtern die Nieren das Zuviel an Salz heraus und scheiden es über den Urin aus. Diese Ausscheidefunktion wird über einen speziellen Natriumchlorid-Sensor in den Nieren aktiviert. Offenbar kommt es dabei jedoch zu einem unerwünschten Nebeneffekt: Durch die erhöhte Salzausscheidung kommt es zu Defiziten bei der Produktion bestimmter Enzyme, die Vorläufersubstanzen der sogenannten Glukokortikoide verarbeiten. Als Folge werden vermehrt Biomoleküle frei, die ähnlich wie das Stresshormon Kortison wirken. Dieses wird in der Medizin traditionell zur Unterdrückung von Immunreaktionen wie Entzündungen eingesetzt. Die Anreicherung dieser Stoffe könnte die beobachtete Schwächung des Immunsystems somit erklären.





