Die alten Griechen beschieden sich mit sieben Wundern der Welt. Aus der Masse mächtiger Bauwerke wählten sie schlicht die Großartigsten: Ägyptens Pyramiden, die hängenden Gärten von Babylon, den Tempel der Artemis zu Ephesos, die Zeus-Statue in Olympia, das Mausoleum von Halikarnass, den Koloß von Rhodos und den Leuchtturm vor Alexandria. Die Römer schlugen kurzerhand noch einheimische Klötze wie Kolosseum und Kapitol dazu. Doch außer den Latinern addierte da keiner mit, und so blieb es bis heute bei der alten magischen Zahl.
Jetzt ist neu gezählt worden: Eine Art Guinness-Buch der Antike präsentiert gleich 70 Weltwunder. Herausgeber Chris Scarre, Vizedirektor des Archäologischen Instituts der Universität von Cambridge, hat als Autoren die Größten seiner Zunft und Zunge gewonnen. Endlich findet Rom Beachtung: Die britischen und amerikanischen Juroren der Weltwunderwahl plazieren gleich sechs seiner Bauten. Was die Griechen vergessen hatten, kommt nun – da wieder ausgegraben – zu Ehren, beispielsweise der Palast von Knossos und Artreus’ Schatzhaus in Mykene. Dazu Monumentales aus der Neuen Welt und neueren Zeit, das für die erste Jury noch in den Sternen stand, wie der große Tempel der Azteken und indianische Erdbauten in Ohio. Weil aber 70 auch nicht alles ist, bleibt eine Reihe von alten Bauwerken außen vor. So sind zwar die Quadratschädel der Osterinseln nun erfaßt, nicht aber die mächtigeren Köpfe auf dem Nimrud Dag.
Chris Scarre (Hrsg.) DIE SIEBZIG WELTWUNDER Verlag Zweitausendeins Frankfurt/Main 2000 304 S., DM 39,90
Chris Scarre / Waltraud Sperlich




