Solange ich mich erinnern kann – Brockhaus war mir immer ein Begriff. Mitte der fünfziger Jahre beschaffte mein Vater die Bände der 16. Ausgabe. Mutter entrüstete sich über das schöne Geld, weil der Herr Papa dafür am Haushaltsgeld knapste. So war es für mich eine Frage der Ehre, mir von 1986 bis 1994 die Brockhaus Enzyklopädie zu gönnen, ohne die Familie in den Hunger zu treiben. Und jetzt habe ich – zu einem vergleichsweise läppischen Preis – die Online-Version „Der Brockhaus – multimedial 2000 premium” gekauft, um endlich ein aktuelles Lexikon zu besitzen. Zur Prüfung der Aktualität fiel mir nichts Besseres ein, als nachzuschauen, ob Grass’ Nobelpreis verzeichnet ist. Das war nicht der Fall. Die CD-ROM hat den Stand von September 1999. No problem. Denn laut Verlagswerbung gibt es die Möglichkeit, online zu aktualisieren. Mit meinen zwei Internet-Zugängen, dem ISDN-Telefon, einer akzeptablen Computerkenntnis sowie Registriernummer samt Paßwort schaffe ich das mit links. Denkste! Selbst nach vielen Versuchen, die mich einige Stunden Zeit gekostet haben, und der mehrmaligen Assistenz meiner beiden Computerkids: Günter Grass bleibt der Nobelpreis verwehrt. Ich hätte die Hotline anrufen sollen, meinen Sie? Das habe ich zweimal gemacht. Beim ersten Versuch sagte mir eine Frau, sie wolle mir eine E-Mail schicken (wozu eigentlich?). Beim zweiten Versuch verriet mir ein Chip, alle Leitungen seien belegt und man würde zurückrufen. Doch Fehlanzeige. Jetzt höhnen meine Söhne, sie hätten ja gleich gesagt, Microsofts Encarta sei sowieso besser als mein oller Brockhaus. So ändern sich eben die Zeiten.
Bibliographisches Institut DER BROCKHAUS MULTIMEDIAL 2000 PREMIUM 89000 Artikel, mehr als 12000 Bilder, 1000 umfangreiche Schwerpunktartikel Mannheim 1999 3 CD-ROM, DM 179,–
Wolfgang Hess




