
Dass Marie Curie dabei etwas distanziert wirkt, liegt vor allem an der Quellenlage: Curie ließ in ihren Tagebüchern nur selten persönliche Einblicke zu, und Sobel wahrt konsequent die Grenze zwischen dokumentierter Tatsache und möglicher Interpretation.
Stilistisch bewegt sie sich zwischen wissenschaftshistorischer Darstellung und biografischer Erzählung. Die Sprache bleibt sachlich, gelegentlich trocken, jedoch von einer feinen, unaufdringlichen Bewunderung getragen. In jedem Kapitel stehen eine Forscherin und ein chemisches Element im Vordergrund. Dieser originelle Aufbau macht die Verbindung zwischen Leben und Labor sichtbar.
Das Ergebnis ist weniger eine klassische Biografie als eine präzise recherchierte Kollektivgeschichte weiblicher Forschung zu Beginn der Moderne. Wissenschaftliche Zusammenhänge werden klar erläutert, die historischen Kontexte sorgfältig gesetzt. Die emotionale Tiefe bleibt naturgemäß begrenzt – nicht aus Mangel an Empathie, sondern aus Respekt vor den Quellen und der schwer fassbaren Persönlichkeit Marie Curies. Sabine Delorme
Dava Sobel
Die Elemente der Marie Curie. Wie Radium Frauen den Weg in die Wissenschaft leuchtete
Berlin Verlag, 384 S., € 26,–
ISBN 978-3-8270-1524-2



