Der Mann hat viel auf dem Herzen – und er tut es kund. Mal witzig, mal ernst, mitunter auch spöttisch, aber immer pointiert und kritisch beäugt Alexander Kekulé, was die Wissenschaftler dieser Welt so treiben. Jeden Mittwoch kann man seine Wissenschaftskolumne im Berliner Tagesspiegel und bei Spiegel online lesen. Wie Filmproduzenten Fakt und Fiktion über Saurier fröhlich vermischen, ohne dass sich Paläontologen darüber aufregen, spießt der Biochemiker und Arzt genauso auf seine spitze Feder wie die Kraftpakete auf der Tour de France, finanzkräftige Touristen im All oder das Microsoft-Monopol. „ Wissenschaft gehört an die Stammtische wie Fußball und Formel 1. Deshalb wollte ich über Wissenschaft auf einer Seite schreiben, die nicht gleich mit der Werbung im Altpapier landet.” So entstand die Kekulé-Kolumne der deutlichen Worte. Dort wetterte er bereits drei Monate vor dem ersten BSE-Fall, dass Deutschland keineswegs – wie damals von den Verantwortlichen behauptet – „ BSE-frei” sei. Und die deutschen Genomforscher kanzelte er vor kurzem gnadenlos als „Schlafmützen” ab. Gene und Genome, Medizin, die Verwicklungen von Pharmaindustrie, Kassen und Ärzten – das sind die Lieblingsthemen des 43-Jährigen. Seine Familie ist traditionell der Chemie verbunden: Alexander Kekulé ist ein Nachfahre des berühmten Chemikers August von Kekulé, der 1865 die Struktur des Benzolrings löste. Alexander Kekulé hält es mehr mit den Mikroben. Seit 1999 leitet er das Institut für Medizinische Mikrobiologie an der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg.
Hans Groth




