SOMMER 2005 Anlässlich eines Treffens im Forschungszentrum Jülich fanden Rafael Ball, Leiter der Bibliometrie-Gruppe an der dortigen Zentralbibliothek, und ich rasch Gefallen an der Idee, ein Jahr lang in bild der wissenschaft zu dokumentieren, welche Forschungsstätten mit ihren Veröffentlichungen am erfolgreichsten sind. Seit März 2006 veröffentlichte bild der wissenschaft daher Ranglisten, die zwei wichtige Aspekte qualitativ hochwertiger Forschung fokussierten: Welche Institution veröffentlicht besonders häufig in Qualitätsjournalen? Und welche wird unter Kollegen am stärksten wahrgenommen?
ZUGEGEBEN Die Auswahl der von uns berücksichtigten Fachgebiete ist nicht repräsentativ für die deutsche Forschungslandschaft. Allerdings haben wir auch nicht zufällig in die Kiste gegriffen. Wir wollten vor allem solche Forschungsbereiche in den Brennpunkt stellen, deren Resultate aktuell auf öffentliches Interesse sto- ßen. Zum Abschluss unseres elfteiligen WissdeX haben wir die einzelnen Charts nochmals aufmerksam durchgeschaut und für Sie aufbereitet.
ERGEBNIS Besonders fleißig sind offenbar die Wissenschaftler der Universitäten Heidelberg und Bonn. Wenn man das Ranking „Die Aktiven” über alle elf vorgestellten Forschungsdisziplinen hinweg anschaut, liegen sie sechsmal unter den ersten Zehn. Die Universität Karlsruhe folgt mit fünf, die LMU München sowie die Uni Hamburg mit vier Einträgen. Sieben weitere Universitäten schafften es dreimal unter die TOP 10.
IM rampenlicht Gut präsentieren konnten sich vor allem Forscher der Universität Tübingen und der Ludwig-Maximilians- Universität München. Sie kletterten in fünf der elf Rankings „Die Beachteten” unter die ersten Zehn. Die Universitäten Kiel und Bonn brachten es auf je vier Einträge. Je dreimal reüssierten die Universität Mainz, die Freie Universität Berlin und die Universität Frankfurt am Main. Somit beweist auch beim bdw-Ranking eine der drei neu benannten Elite-Universitäten ihre Exzellenz. Die Uni Karlsruhe und die TU München konnten sich bei den ausgewählten Schwerpunkten dagegen jeweils nur einmal unter den TOP 10 der häufigsten Zitationen platzieren.
GLOBAL BETRACHTET Ganz gleich, welche Art von Forschungsranking man anschaut – fast immer liegen die USA vorne. Ihr Anteil an naturwissenschaftlichen Veröffentlichungen ist größer als in Großbritannien, Japan und Deutschland zusammen (Grafik rechts). An ihrer Erstplatzierung ändert sich kaum etwas – egal welches Forschungsfeld beackert wird. Doch ganz so toll ist es auch um die Vereinigten Staaten nicht bestellt: Andere Länder forschen effizienter. Bezieht man die Zahl der naturwissenschaftlichen Publikationen eines Landes auf dessen Einwohnerzahl, stürzen die USA mit ihren 300 Millionen Einwohnern jäh ab. In unserem Länder-Ranking über alle elf Wissenschaftsdisziplinen hinweg landen sie gerade mal auf dem 18. Platz. Kein Anlass allerdings für uns Deutsche zu frohlocken. Auch wir sitzen bei dieser Art der Betrachtung auf billigeren Plätzen, nämlich an 14. Stelle.
klasse statt masse Eine Reihe von Ländern mit weniger Bevölkerung setzen ihre Ressourcen in der Wissenschaft offenbar so produktiv ein, dass sie bei mehr als der Hälfte aller von uns herausgepickten Disziplinen unter den ersten Zehn firmieren. Österreich ist hier ebenso erfolgreich wie Finnland, Kanada, Belgien, Australien und die Niederlande. Groß- britannien steht als einziges bevölkerungsstärkeres Land diesen Staaten nicht nach. Auf dem Podest stehen Israel, Schweden und die Schweiz. Hierzu meine persönliche Gratulation, liebe Eidgenossen! Nicht nur, dass Sie sich in jedem(!) der von uns ausgesuchten Forschungsfelder unter den ersten Zehn platzieren konnten: Die Wissenschaftler an Schweizer Forschungsinstitutionen führen in vier Disziplinen das Feld an, in drei sind sie Vize-Champion, in weiteren drei Dritter. A la bonne heure!
ZU GUTER LETZT Der WissdeX endet mit dieser Ausgabe. Die Bibliometriegruppe des Forschungszentrums Jülich hat sich ein Jahr lang ins Zeug gelegt, frische Daten zu generieren. Dafür schulden wir den Forschern großen Dank. Aufgrund der Schwierigkeiten einer exakten bibliometrischen Erfassung mussten wir einmal ein Ranking nachbessern, was wir postwendend getan haben. Die Abgrenzung der für eine Auswertung in Frage kommenden Institutionen ist kniffelig und forderte die Bibliometriker immer wieder heraus. So amüsierte sich ein Astrophysiker über das gute Abschneiden seiner Institution bei der Teilchenphysik, was er sich nur dadurch erklären konnte, „dass der Begriff Teilchenphysik sehr großzügig ausgelegt wurde”.
EXZELLENZ Wir haben nie behauptet, ein Zitationsranking sei die einzige Messlatte für wissenschaftlichen Erfolg. Aber im Zeitalter der Leistungsnachweise sind solche Rankings neben der Einwerbung von Drittmitteln, der Zahl an Forschungspreisen oder Exzellenz-Stipendien ein wichtiger Hinweis, ob und wo Forschungsmittel gut angelegt sind. Den WissdeX haben wir erdacht, um unseren Lesern die komplexe Welt der Beurteilung von wissenschaftlicher Forschung vor Augen zu führen. Das ist über unsere elf Folgen gut gelungen. Somit haben wir die Mission erfüllt und wenden uns neuen Projekten zu.





