Mike Glückstein ist auf das Thema Windenergie nicht gut zu sprechen. Der Münchner Rechtsanwalt vertritt mehrere Anleger, die ihr Geld in Windkraftfonds der proVENTO-Gruppe investiert haben – und nun Schadenersatzansprüche gegen das Koblenzer Unternehmen geltend machen. Das Problem: Die im Prospekt eines Beteiligungsfonds von proVENTO für den Windpark Willmersdorf/Tempelfelde in Brandenburg versprochenen Stromerlöse werden bei weitem nicht erreicht – und damit warten die Anleger auch vergeblich auf die erhoffte Rendite. „Versprochen wurden pro Jahr über eine Million Kilowattstunden. Tatsächlich erzielt wurden 2002 jedoch lediglich rund 775000 Kilowattstunden”, klagt Glückstein – ein Mindererlös von fast 30 Prozent. Auch in den beiden Jahren zuvor sah das Ergebnis kaum besser aus.
Die Ursache für die Diskrepanz zwischen Versprechen und Realität sind nach Ansicht des Anwalts vor allem unrealistische Windprognosen: Der Wind hält sich oft nicht an die Vorhersagen der Gutachter. „Vielen Windparks ist gemeinsam, dass Winderträge unter zweifelhaften Messmethoden ermittelt werden und Sicherheitsabschläge, mit denen Unsicherheiten bei der Windprognose aufgefangen werden sollen, viel zu niedrig angesetzt werden”, sagt Glückstein. Aber auch technische Mängel der Windenergieanlagen tragen zu den geringen Erträgen bei, weiß Glückstein: „Die Ausgaben für Wartung, Instandhaltung und Reparaturen sind bei der Kalkulation der Betriebskosten viel zu niedrig angesetzt.”
Dass die Probleme weit verbreitet sind, belegen Beiträge in der Verbandszeitschrift „Neue Energie” des Bundesverbands Windenergie (BWE) vom November 2002 und März 2003. Darin werden zahlreiche Beispiele für Beteiligungsfonds an Windparks genannt, bei denen die Anleger ihre Erwartungen weitgehend in den Wind schreiben können. Beim BWE hat man erkannt, dass dies ein Hemmschuh für einen weiteren Ausbau der Windenergie sein könnte. Immerhin tragen private Anleger erheblich zur Finanzierung der Windparks bei: Allein letztes Jahr flossen rund 600 Millionen Euro in Windkraftfonds – rund 50 Prozent mehr als im Jahr zuvor.
Mit dem im November erschienenen Ratgeber „Mit einer grünen Anlage schwarze Zahlen schreiben” will der BWE Anlegern bei der Auswahl einer erfolgversprechenden Beteiligung helfen. In der Broschüre werden in einer Checkliste eine Reihe von Kriterien genannt, auf die man bei Fondsangeboten achten sollte. Vor allem aber will der BWE selbst die angebotenen Fonds testen – und durch Vergabe von Sternen sowie durch Warnhinweise bei besonderen Risiken bewerten. Die Anbieter von Windkraftfonds, hofft BWE-Präsident Dr. Peter Ahmels, wird dies dazu bewegen, künftig vorsichtiger zu kalkulieren und klare Qualitätsanforderungen zu berücksichtigen. Für die Mandaten von Mike Glückstein kommt dies allerdings zu spät.
Die Anleger-Info des BWE, inklusive Fonds-Checkliste, kann man zum Preis von 15 Euro beziehen über info@wind-energie.de
Ralf Butscher




