Marc D. Hauser, Professor für Psychologie und Neurowissenschaften an der Universität Harvard, erzählt nicht nur staunenswerte Anekdoten über zärtliche Klammeraffen, trauernde Elefanten, und schauspielernde…
Marc D. Hauser, Professor für Psychologie und Neurowissenschaften an der Universität Harvard, erzählt nicht nur staunenswerte Anekdoten über zärtliche Klammeraffen, trauernde Elefanten, und schauspielernde Papageien. Er kennt auch die Methoden der Verhaltensforschung in Labor und Freiland sehr genau immerhin hat er selbst Feldstudien an verschiedenen Affenarten in Kenia, Uganda und Puerto Rico gemacht. Auch wenn er “nur” aus der Literatur schöpft und Befunde zum Werkzeuggebrauch, zum Zahlenverständnis, zur Raumorientierung, Selbsterkenntnis, zum Lernen, Täuschen, zu Kommunikation und Moral von Tieren referiert, weiß er die Daten intelligent zu kommentieren.
Besonders kühn sind Hausers Thesen zur Evolution der Sprache. Intelligente Tiere vergleicht er mit Gregor Samsa, der in Franz Kafkas Erzählung “Die Verwandlung” eines Morgens als sprachloses Insekt erwachte. “Den meisten Tieren geht es wie dem unglücklichen Gregor Samsa nach seiner Verwandlung”, schreibt Hauser. “Sie sind kafkaeske Wesen, Organismen mit einem reichen Spektrum an Gedanken und Emotionen, denen leider ein System abgeht, vermittels dessen sie das, was sie denken, in etwas übersetzen können, das sich anderen mitteilen ließe.”
Ähnlich müssen sich unsere Vorfahren gefühlt haben, meint der Autor: Erst als sie sprechen lernten, befreite dieses neue Werkzeug “einen Geist, der bereits seit langem in seinen eigenen privaten Gedanken schwelgte.”
Judith Rauch