Es verleiht Kaffee und Energydrinks den Kick: Neben dem Wachmacher-Effekt schätzen viele Menschen das Koffein auch wegen seiner anregenden Wirkung auf die mentalen Fähigkeiten. Diese subjektive Erfahrung wird dabei von Untersuchungen bestätigt. Es wurde auch bereits erforscht, inwieweit Koffein auf verschiedene Tiere wirkt. Dabei zeigte sich, dass es sogar bei Insekten kognitive Fähigkeiten beeinflusst: Eine Dosis der Substanz kann demnach bei Bienen und Hummeln die Lernfähigkeit und das Erinnerungsvermögen steigern. An diese Ergebnisse knüpft nun die Studie der Forschenden um Henrique Galante von der Universität Regensburg an. Sie sind der Frage nachgegangen, inwieweit Koffein die Fähigkeit von Ameisen beeinflussen kann, zu einer Futterstelle zurückzufinden.
„Koffeinierten“ Ameisen auf der Spur
Sie führten ihre Untersuchungen dabei an der sogenannten Argentinischen Ameise (Linepithema humile) durch. Für die Experimente verwendeten Galante und seine Kollegen eine Testplattform von der Größe eines DIN-A4-Blattes, auf die ihre Versuchstiere vom Nest aus über eine kleine Brücke gelangen konnten. Auf der Papieroberfläche brachten sie an einer bestimmten Stelle einen Tropfen Zuckerlösung an, der abgesehen von der Kontrolle mit verschiedenen Mengen Koffein versetzt war. „Die niedrigste Dosis entsprach dabei derjenigen, die in natürlichen Pflanzensäften enthalten sein kann, und die mittlere ähnelte der, die man in einigen Energydrinks finden würde“, sagt Galante. Bei der höchsten Dosis enthielt die Zuckerlösung dagegen eine Koffein-Konzentration, die schon als potenziell gesundheitsschädlich einzustufen wäre.
Die Forscher ließen bei den Versuchen jeweils eine Ameise nach dem süßen Tropfen suchen. Nach dem Fund konnte sie dann zum Nest zurückkehren, um die gesammelte Nahrung abzuliefern. Anschließend brach sie dann erneut zur Futterquelle auf. Dabei konnte sie aber nicht ihrer zuvor hinterlassenen Duftspur folgen, denn die Forschenden ersetzen das Stück Papier der Versuchsfläche stets durch ein neues. Die Ameise war somit bei der Navigation auf ihre räumliche Erinnerung an den Weg zum Ziel angewiesen.
Gesteigerte Lernfähigkeit
Wie das Team berichtet, ging aus den Analysen des Bewegungsverhaltens der Versuchstiere hervor: Ameisen, deren zuckerhaltige Belohnung niedrige oder mittlere Koffeindosen enthielt, konnten nach der Aufnahme vergleichsweise effizient zu der Futterquelle zurückfinden. Im Vergleich zur Kontrolle waren sie durchschnittlich 28 Prozent und bei der mittleren Dosis sogar um etwa 38 Prozent schneller wieder am Ziel. Noch mehr Koffein wirkte sich hingegen nicht günstig aus: Die höchste Koffeindosis führe zu keiner Leistungssteigerung, stellten die Forschenden fest.





