„Wir wollen eine breite Diskussion anschieben – jetzt, sofort, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist”, sagt Markus Schmidt, Leiter des SynBiosafe-Projekts, das sich mit den gesellschaftlichen Folgen der synthetischen Biologie beschäftigt. Seit Anfang des Jahrtausends schon werkeln Wissenschaftler an der synthetisch-biologischen Zukunft. Doch anders als etwa beim Thema Stammzellen ist die Tragweite der synthetischen Biologie Politikern und Gesellschaft noch nicht bewusst. Dabei „werden die Folgen massiv sein”, fürchtet Jim Thomas von der kanadischen Action Group on Erosion, Technology and Concentration (ETC): „ Denn das Potenzial der Technik ist riesig.”
Fast alle traditionellen Produktionstechniken könnte die synthetische Biologie revolutionieren. Profitieren würden vor allem große Konzerne. Kleinen Bauern und Produzenten in den Entwicklungsländern drohe dagegen der Ruin, sollte beispielsweise das Malaria-Medikament Artemisin oder Gummi (beides Pflanzenstoffe) künftig von künstlichen Designer-Mikroben hergestellt werden.
Die bestehenden nationalen und internationalen Regelungen gelten für bisheriges Leben – und nicht für künstliche Organismen. Niemand weiß, wie sich künstliche Organismen verhalten werden. Markus Schmidt fordert: „Wir werden Leben und die möglichen Risiken neu definieren müssen.” Craig Venter versichert zwar, seine zukünftigen SynBio-Mikroben seien in einer natürlichen Umwelt nicht überlebensfähig, weil sie von einem Stoff abhängig sind, den sie nur im Labor bekommen. Doch den Kritikern genügt das nicht.
Für den Umwelt-Ethiker Andrew Light von der University of Washington in Seattle ist die synthetische Biologie ein zweischneidiges Schwert: Einerseits berge sie hohe Risiken, weil künstliche Organismen, sollten sie freigesetzt werden, unberechenbar seien und die Umwelt stören könnten. Andererseits befreie die synthetische Biologie die Menschheit vielleicht von umweltschädlichen Techniken des 20. Jahrhunderts.





