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Wie sich Menschen zum Klimaschutz motivieren lassen
Gesellschaft & Psychologie

Wie sich Menschen zum Klimaschutz motivieren lassen

Welche Botschaften sind am vielversprechendsten, um Menschen zu kollektiven Klimaschutzaktionen zu motivieren? Diese Frage hat eine Studie mit über 31.000 Teilnehmenden aus den USA untersucht. Besonders wirksam ist es demnach, Beispiele erfolgreicher Klimaschutzbemühungen anzuführen und die emotionalen und sozialen Vorteile eines Engagements hervorzuheben – etwa die Möglichkeit, neue Freunde zu finden. Insbesondere republikanisch eingestellte Personen reagieren zudem positiv auf Apelle, die unberührte amerikanische Natur zu schützen. Negative Emotionen wie Wut oder Furcht vor Klimafolgen motivierten dagegen weniger zum Handeln.
Autor
Elena Bernard
30. Januar 2026
Lesezeit
4 Minuten
Rubrik
Gesellschaft & Psychologie

Der Klimawandel ist eine der größten aktuellen Herausforderungen der Menschheit. Je nach Regierung rückt er allerdings auf der politischen Agenda einiger Länder in den Hintergrund. Umweltschutzorganisationen, Klimaaktivisten und politische Akteure versuchen deshalb auf verschiedene Weise, das Thema wieder stärker in den öffentlichen Fokus zu rücken. „Strukturelle Veränderungen sind wirklich notwendig, aber damit es dazu kommt, müssen die Menschen solche Veränderungen einfordern“, sagte Madalina Vlasceanu von der Stanford University. Wege dazu können beispielsweise Demonstrationen, Petitionen oder Briefe an Abgeordnete sein – also ein Engagement, das weit über individuelles klimafreundliches Verhalten hinausgeht.

Engagement auf kollektiver Ebene

Doch wie lassen sich Menschen zu solchen kollektiven Aktionen motivieren? Um diese Frage zu klären, hat Vlasceanu gemeinsam mit einem Team um Erstautorin Danielle Goldwert von der New York University eine repräsentative Stichprobe von mehr als 31.000 Menschen aus den USA befragt. Die Freiwilligen sahen zunächst Videos, Bilder, Texte oder interaktive Elemente, die sich einer von 17 psychologisch fundierten Interventionen zuordnen ließen. Anschließend sollten sie ihre Bereitschaft angeben, sich für mehr Klimaschutz einzusetzen.

Dabei konnten sich die Teilnehmenden zwischen drei Arten von Engagement entscheiden: Zum ersten konnten sie Maßnahmen wählen, die das öffentliche Bewusstsein fördern, etwa das Teilen von Videos, die Anmeldung zum Newsletter einer Klimaschutzorganisation oder die Teilnahme an einer Klimademo. Zum zweiten konnten sie sich für politische Aktionen entscheiden, etwa eine Petition unterzeichnen, einen Brief an einen Abgeordneten schreiben oder angeben, dass sie zukünftig klimafreundliche Politiker unterstützen wollen. Zum dritten konnten sie die Absicht angeben, sich auf finanzieller Ebene einzubringen, indem sie etwa an eine Klimaschutzorganisation spenden oder ihr Geld nicht mehr bei Banken anlegen, die in fossile Brennstoffe investieren.

Gesellschaftlicher und persönlicher Nutzen

Das Ergebnis: Besonders erfolgreich waren Interventionen, die Beispiele früherer Klimaschutzaktionen lieferten, die tatsächlich die öffentliche Politik beeinflusst haben. Dabei spielten mehrere Faktoren zusammen: „Menschen engagieren sich wirklich für kollektive Aktionen, wenn ihnen vermittelt wird, dass diese wichtig sind, dass sie Wirkung zeigen und strukturelle Veränderungen bewirken, während sie gleichzeitig auch ihnen persönlich zugutekommen“, erklärt Goldwert.

Als wichtige Motivationsfaktoren erwiesen sich beispielsweise die Aussicht, bei Klimaschutzaktionen eine gemeinschaftliche positive Energie zu spüren und womöglich neue Freunde zu finden. Die Kombination von Erfolgsgeschichten mit der Betonung sozialer und emotionaler Vorteile erhöhte die Bereitschaft, sich an Maßnahmen zur Steigerung des öffentlichen Bewusstseins zu beteiligen, um 30 Prozent und die Motivation zu politischen Maßnahmen um rund 14 Prozent.

Abhängig von politischer Einstellung

Besonders stark war der Effekt bei Menschen, die sich selbst der demokratischen Wählerschaft zuordneten. Republikanisch eingestellte Personen reagierten dagegen am ehesten auf Botschaften, die an moralische Werte appellierten und die den Wert und die Reinheit der amerikanischen Natur in den Fokus stellten. Eine der Aussagen, die Republikaner am ehesten dazu motivierte, sich für Klimaschutz einzusetzen, lautete: „Wenn wir die Auswirkungen des Klimawandels auf die größten Wunder unseres Landes nicht bekämpfen, wird dies ein Makel in unserer Geschichte sein.“

Weniger wirksam waren dagegen Interventionen, die auf negativen Emotionen wie Wut, Furcht oder Schuld basierten. Auch Botschaften, die zusätzliche Vorteile von Klimaschutzmaßnahmen betonten, etwa für die menschliche Gesundheit oder den Arbeitsmarkt, motivierten die Befragten kaum dazu, sich verstärkt zu engagieren – ein für die Forschenden überraschendes Ergebnis. „Es erscheint intuitiv, dass positive Nebeneffekte die Menschen motivieren sollten – warum sollten wir das Problem des Klimawandels nicht lösen, wenn dadurch auch Probleme im Gesundheitswesen und in der Wirtschaft gelöst werden? Aber wir haben bei dieser Strategie in allen Kategorien keine Ergebnisse festgestellt“, sagt Vlasceanu.

Sie geht davon aus, dass die gewonnen Erkenntnisse Klimaschützern helfen können, die Öffentlichkeit mit wirksamen Interventionen für mehr kollektives Engagement im Kampf gegen den Klimawandel zu begeistern. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass einfache, kostengünstige Botschaften dazu beitragen können, die öffentliche Unterstützung für Klimaschutzmaßnahmen in großem Maßstab zu mobilisieren“, so das Forschungsteam. „Damit können sie Politikern, Aktivisten und der Zivilgesellschaft als Grundlage für die Gestaltung ihrer Öffentlichkeitsarbeit dienen.“

Quelle: Danielle Goldwert (New York University, USA) et al., PNAS Nexus, doi: 10.1093/pnasnexus/pgaf400

GesellschaftKlimapolitikKlimaschutzPsychologie

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