Das ist eine der spektakulärsten Szenen in Steven Spielbergs Dino-Schocker “Jurassic Park”: Ein Computer-animierter Tyrannosaurus rex jagt hinter dem offenen Jeep der Besucher des fiktiven Freizeitparks her. Die Kamera zeigt im Rückspiegel den bedrohlich näher kommenden Raubsaurier und – wohl kaum zur Beruhigung der Verfolgten – den Hinweis des Autoherstellers, daß Objekte im Rückspiegel näher erscheinen, als sie tatsächlich sind. Nur weil T. rex über einen Baumstamm stolpert, kommen die Menschen mit dem Schrecken davon.
Jetzt hat ein Team amerikanischer Paläontologen und Physiker von der Indiana University in Purdue berechnet, wie schnell ein Tyrannosaurier lief und wie schnell der Jeep hätte fahren müssen, um der Riesenechse aus dem Erdmittelalter zu entkommen. Das Ergebnis: Ein auf den Hinterbeinen laufender Dinosaurier wie T. rex mußte stets aufpassen, daß er sich nicht tödliche Verletzungen und Knochenbrüche zuzog, wenn er hastig seiner Beute hinterherjagte.
Nach den Berechnungen der Paläontologen wäre der sechs Tonnen schwere Saurier mit etwa dem Sechsfachen seines Gewichtes auf den Boden aufgeschlagen – ohne Chance, sich mit seinen kleinen Vorderbeinen abzufangen. Für einen jagenden Tyrannosaurus wäre ein solcher Sturz verheerend gewesen, meinen die Forscher. Bei gedrosseltem Tempo hätte der stolpernde Dino jedoch eine gute Chance gehabt, wieder die Balance zu finden.
Die Schreckens-Echsen mußten daher einen Kompromiß finden: Zwar hätte schnelles Laufen ihnen häufiger Beute beschert, aber auch das Risiko eines tödlichen Sturzes enorm erhöht. Aufgrund dieser Überlegungen und nach der Stärke der Beinknochen zu urteilen, dürfte Tyrannosaurus rex nicht schneller als 35 Kilometer pro Stunde gerannt sein – rasch genug, um wohl die meisten Pflanzenfresser der Kreidezeit zu erbeuten, zu langsam freilich für einen Jeep.
Matthias Glaubrecht




