ENERGIE WIRD KNAPP. Für uns Mitteleuropäer ist dieses Faktum noch nicht im Alltag angekommen. Zwar haben auch wir unter dem hohen Ölpreis gestöhnt, der bis Mitte letzten Jahres von einem Spitzenwert zum nächsten stieg. Doch Auto gefahren wurde so rasch und viel wie ehedem. Inzwischen ist der Ölpreis wieder auf nie mehr möglich gehaltene Notierungen gefallen: Spritsparen ade. Und da uns selbst der Erdgaskonflikt zwischen Russland und der Ukraine zu Beginn dieses Jahres keine kalten Wohnungen beschert hat, wiegt sich die Gesellschaft in Sicherheit und reagiert zögerlich bis ablehnend, wenn es um neue Strukturen bei der Energieversorgung geht. Das wird ins Auge gehen. Denn sowohl beim Öl als auch beim Gas sind wir in der Hand von Lieferantenkartellen. Dagegen hilft nur eines: Die Versorgungsstrukturen zu diversifizieren und auf die ganze Ressourcen-Palette zu setzen – unter anderem auf eine stärkere Nutzung der Sonnenenergie.
Neben der Photovoltaik öffnet sich durch die Solarthermie gerade eine weitere starke Perspektive: In Südeuropa – vor allem aber in Nordafrika – ist die Sonneneinstrahlung so stark und sind Wolken so rar, dass sich dort der Strombedarf der ganzen Welt auf einer überschaubaren Fläche und im laufenden Betrieb ohne nennenswerte Kohlendioxidemission produzieren ließe. Anders als vor einem Vierteljahrhundert, als diese Idee erstmals propagiert wurde – etwa durch den Industriellen Ludwig Bölkow, was bild der wissenschaft 1987 eine Titelgeschichte wert war –, stehen heute verlustarme Langstrecken-Stromübertragungs- techniken zur Verfügung, die den Umweg über eine teure Wasserstoffwirtschaft vermeiden. Die aktuelle Titelgeschichte beginnt auf Seite 82.
Es gibt einen weiteren Grund, die Energieversorgung auf neue Beine zu stellen: Der Treibhauseffekt muss drastisch eingedämmt werden. Schaffen wir das nicht, wird es in unserem Jahrhundert nach Aussage Tausender von Experten weltweit um mindestens vier, fünf Grad Celsius wärmer. Wie stark sich Wetterlagen und Temperaturen in jüngster Zeit bereits verändert haben, dokumentiert unser bild der wissenschaft-special „Wetterwende”, das zeitgleich mit dieser Hauptausgabe erscheint. Auf 84 Seiten enthält die Sonderausgabe die besten Beiträge, die in den zurückliegenden Monaten in unserem Magazin erschienen sind. Dieses special ist ein ideales und preisgünstigesHandbuch für alle, denen unsere Erde am Herzen liegt.




