Das waren zwar Extremfälle, doch die Liste der möglichen Beschwerden ist lang: “Häufig treten Kopf- oder Unterbauchschmerzen auf, Spannungsgefühle in den Brüsten, Abgeschlagenheit oder Reizbarkeit”, erläutert Dr. Manfred Steiner, Landesvorsitzender des Berufsverbands der Frauenärzte in Baden-Württemberg. Aber auch Akne, Wasseransammlung im Gewebe, Weinerlichkeit, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Angstgefühle oder gar Depressionen können vorkommen. Alles in allem gibt es über 100 Symptome, die in den 14 Tagen vor der Menstruation auftreten können.
Das macht es schwierig, das PMS scharf einzugrenzen. So sind die Übergänge von leichten prämenstruellen Beschwerden zum PMS und zu seiner stärksten Form, der prämenstruellen dysphorischen Störung, kurz PMDS, fließend. “Es gibt keine allgemein gültigen Kriterien für PMS”, erläutert Dr. Almut Dorn, psychologische Psychotherapeutin vom Endokrinologikum in Hamburg. Treffen kann es im Prinzip jede Frau im gebärfähigen Alter. Wie viele Frauen tatsächlich betroffen sind, lässt sich daher auch nur grob schätzen: Sie liegt wohl zwischen 20 und 50 Prozent.
Charakteristisch für die Störung ist, dass die Symptome in der zweiten Hälfte des Zyklus auftreten, häufig fünf bis sieben Tage, bevor die Regel beginnt. “Eine Erkrankung an PMS liegt dann vor, wenn ein entsprechendes Beschwerdebild regelmäßig auftritt”, erklärt Steiner. Manche der betroffenen Frauen haben nur ein oder zwei Symptome, andere gleich mehrere.
Klar definiert, zumindest in den USA, ist die PMDS, von der nur etwa drei bis sieben Prozent der Frauen betroffen sind: Es müssen mindestens ein Kernsymptom und mindestens fünf weitere Beschwerden regelmäßig auftreten, entweder in den Tagen vor der Periode oder zum Eisprung in der Zyklusmitte. Kernsymptome sind zum Beispiel Ängstlichkeit, Anspannung, Reizbarkeit, Übersensibilität und depressive Verstimmungen bis hin zu suizidalen Gedanken. Zu den weiteren Beschwerden zählen Interessens- und Energieverlust, Appetitveränderung und Schlafstörungen.
Einen Test zur Diagnose des PMS gibt es nicht vor allem deswegen, weil bis heute nicht klar ist, was die genaue Ursache ist. Da die Beschwerden zyklisch auftreten, galt lange der Haushalt der Sexualhormone Östrogen und Gestagen als Schlüsselfaktor. In der ersten Hälfte des weiblichen Zyklus ist die Östrogenkonzentration höher und stabilisiert das allgemeine Befinden. Warum aber Frauen in der zweiten Hälfte des Zyklus mit so unterschiedlichen Symptomen reagieren und andere keine Beschwerden haben, ist damit nicht zu erklären. Heute nimmt man daher an, dass dazu noch eine erhöhte psychische Anfälligkeit kommen muss und der Gehirnbotenstoff Serotonin ebenfalls eine wesentliche Rolle spielt, erklärt Dorn.
Diese Ungewissheit und die Vielzahl an Symptomen führen auch dazu, dass man das PMS nicht mit einer Standardtherapie behandeln kann. Bei einem Verdacht sollte auf jeden Fall zuerst eine gynäkologische Untersuchung erfolgen, schon um ausschließen zu können, dass die Beschwerden einen anderen Ursprung haben, raten Dorn und Steiner. Zudem kann es sinnvoll sein, über zwei Monate hinweg ein Zyklustagebuch zu führen, in dem neben allen Beschwerden auch andere Ereignisse wie Streitereien, Urlaub oder Krisen festgehalten werden. Damit, so Dorn, könne man einen Überblick darüber bekommen, wann genau die Beschwerden auftreten.
Medikamente, die beim PMS verschrieben werden können, sind die Pille, die den Hormonhaushalt ausgleicht und die Beschwerden so verringern kann, ausschwemmende Medikamente und bei PMDS gegebenenfalls auch Antidepressiva. “Auch können Vitamin B6, Vitamin E, Kalzium und Magnesium helfen”, erklärt Dorn. “Die Behandlungserfolge sind gut”, ermutigt Steiner, da die Beschwerden bei einer Behandlung oftmals verschwinden. Zur richtigen Anwendung und Dosierung sollte man sich aber von einem Arzt oder Apotheker beraten lassen. Das gleiche gilt für die Einnahme pflanzlicher Präparate wie Nachtkerzenöl oder Mönchspfeffer, der zyklusregulierend wirkt und bei Brust- und Kopfschmerzen helfen kann. Aber auch ohne Medikamenteneinnahme kann man auf Besserung hoffen: “Studien zeigten, dass sich regelmäßiger Schlaf, weniger Koffein und Nikotin, und Sport positiv bei Frauen mit prämenstruellen Beschwerden auswirken”, erklärt Dorn.




