Menschen, die traumatische Ereignisse wie sexuelle Übergriffe, häusliche Gewalt, schwere Unfälle oder Kriege miterlebt haben, entwickeln oft Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Sie können ihre Gedanken an das Ereignis nicht kontrollieren, erleben Angstzustände und Albträume und leiden oft unter sogenannten Intrusionen, bei denen sie sich plötzlich wieder in die traumatische Situation zurückversetzt fühlen.
Neurobiologische Prozesse im Fokus
Ein Team um Ofer Perl von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York hat nun untersucht, wie sich die Erinnerungen an traumatische Ereignisse von Erinnerungen an andere traurige Ereignisse unterscheiden. „Im Erleben der Menschen mit PTBS fühlen sich Intrusionen grundlegend anders an als normale negative Erinnerungen“, erklärt Perls Kollegin Daniela Schiller. „Bis jetzt waren die neurobiologischen Gründe für diesen qualitativen Unterschied jedoch kaum bekannt.“
Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass bei Menschen mit PTBS der Hippocampus ein verringertes Volumen aufweist und seine Funktion beeinträchtigt ist. Diese Hirnregion ist unter anderem aktiv, wenn wir episodische Erinnerungen abrufen. Zudem war bereits bekannt, dass der posteriore cinguläre Kortex, der am narrativen Verständnis sowie der autobiografischen Verarbeitung beteiligt ist, ebenfalls bei PTBS verändert ist. Untersuchungen, die die individuellen Erfahrungen der Betroffenen in den Mittelpunkt stellen, fehlten allerdings bislang.
Individuelle Erinnerungen
Für die aktuelle Studie haben Perl und sein Team 28 Personen mit PTBS gebeten, dem Forschungsteam drei verschiedene autobiografische Episoden zu erzählen: das traumatische Erlebnis, ein bedeutungsvolles trauriges Ereignis, das aber nicht traumatisch war, beispielsweise der Tod eines Familienmitgliedes, sowie eine ruhige, neutrale bis positive Situation, beispielsweise ein Spaziergang im Wald oder ein entspannter Urlaub. Auf Basis der persönlichen Berichte stellten die Forschenden für jede Versuchsperson eine individuelle Audioaufnahme zusammen, in der ein Mitglied des Forschungsteams die jeweiligen Situationen nacherzählte. Die traumatischen und traurigen Erlebnisse wurden dabei möglichst ähnlich formuliert, um die Vergleichbarkeit zu erhöhen.
Diese Aufnahmen wurden den Versuchspersonen vorgespielt, während ihre Hirnaktivität mithilfe von funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT) aufgezeichnet wurde. Dabei beobachtete das Team insbesondere die Aktivität in Bereichen, die mit dem Gedächtnis in Verbindung gebracht werden, darunter Hippocampus und posteriorer cingulärer Kortex. „Wenn die Erinnerungen an traurige oder neutrale Ereignisse geweckt wurden, zeigte das Gehirn bei allen Versuchspersonen eine hochgradig synchrone Aktivität“, berichtet Co-Autor Ilan Harpaz-Rotem von der Yale University in New Haven. Das stimmt mit der Vermutung überein, dass sprachlich ähnlich formulierte Erzählungen auch im Gehirn ähnliche Reaktionen hervorrufen.





