Wie reagieren Eltern darauf, wenn ihr Baby weint oder unruhig ist? Wenden sie sich ihm zu, trösten es und streicheln es beruhigend? Oder bleiben sie eher distanziert und warten, bis es sich von selbst beruhigt? Je nachdem, welche Reaktion der Säugling meistens erlebt, gewöhnt er sich daran, genau dieses Verhalten der Eltern als normal zu empfinden. Gängigen Theorien zufolge lernt ein Kind mit zugewandten Eltern, dass es bei seinen Bezugspersonen Schutz findet, und entwickelt ein Gefühl der Sicherheit. Ein Kind mit distanzierten Eltern lernt dagegen, sich weniger auf andere zu verlassen, oft verbunden mit Gefühlen der Unsicherheit.
Zugewandte und distanzierte Teddys
„Diese frühen mentalen Repräsentationen entwickeln sich im ersten Lebensjahr und haben vermutlich weitreichende Konsequenzen, da sie als ‚Linse‘ dienen, durch die Säuglinge die soziale Welt wahrnehmen und so ihre soziale Orientierung und ihr Verhalten aktiv gestalten“, erklärt ein Team um Shyly Aptaker Ben-Dori von der Reichmann Universität in Israel. „Aufgrund methodischer Herausforderungen gibt es allerdings nur wenige empirische Versuche, diese Repräsentationen zu untersuchen.“ Um Einblicke zu gewinnen, wie Babys im Laufe ihres ersten Lebensjahres ihre sozialen Erwartungen aufbauen, hat das Team 72 israelische Mutter-Kind-Paare untersucht.
Zum ersten Mal trafen die Forschenden ihre kleinen Versuchsteilnehmer im Alter von vier Monaten bei diesen zu Hause. Dort beobachteten sie, wie Mutter und Kind miteinander spielten und wie zugewandt oder distanziert die Mutter reagierte, wenn ihr Kind Unwohlsein äußerte. Etwa ein halbes Jahr später, als das Kind zehn Monate alt war, luden Ben-Dori und ihre Kollegen Mutter und Kind ins Labor ein. Hier führten sie dem Baby zwei kurze Puppenspiel-Szenen vor. In beiden Szenen betraten zunächst ein großer Teddy und ein Baby-Teddy die Bühne. Anschließend ging der Eltern-Bär voraus, woraufhin Baby-Bär anfing zu weinen. In einer Szene kehrte der große Bär daraufhin zum kleinen Bären zurück und tröstete ihn, bis er sich beruhigte. In der anderen Szene drehte sich der große Bär zwar zu dem kleinen Bären um, ging dann aber weiter, bis das Weinen ebenfalls verstummte.
Prägung durch frühkindliche Erfahrung
Um herauszufinden, wie vertraut die beiden dargestellten Situationen den Kindern waren, beobachteten die Forschenden ihre Blicke. Die Idee: Bei einem für das Kind überraschenden Verlauf würde es das Schauspiel aufmerksamer beobachten als bei einer Szene mit einem erwarteten Hergang. Mindestens sechs Mal führten die Forschenden jedem Kind abwechselnd die beiden Szenen vor, bis es schließlich an beiden das Interesse verlor. Anschließend durfte das Kind aussuchen, mit welchem der beiden Eltern-Teddys es spielen wollte: mit dem zugewandten oder dem distanzierten.





