Zusammen mit unserem Lübecker Korrespondenten Thomas Willke und meinem Redaktionskollegen Ralf Butscher habe ich für diese Ausgabe einen Themenschwerpunkt neuen Zuschnitts ersonnen: Wir berichten über aktuelle Forschungsansätze am Beispiel nur einer Institution. „Einseitig”, mögen Sie vielleicht sagen. Doch lesen Sie erst einmal! Denn das Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen (Marum) ist mit das Beste, was es auf diesem Fachgebiet weltweit gibt. Spitzenwissenschaftler gehen dort ein und aus. Es ist eines von insgesamt nur sechs Forschungszentren, die die international hoch angesehene Deutsche Forschungsgemeinschaft ins Leben gerufen hat. Marum ist zugleich ein Exzellenzcluster und wirbt durch Forschungsprojekte jährlich 12 bis 15 Millionen Euro an Drittmitteln ein.
Am Beginn des großen Berichts über die marine Umweltforschung steht die Reportage von Thomas Willke, der sich zusammen mit dem freien Fotografen Tristan Vankann die Vorbereitungen zur diesjährigen Forschungsfahrt der „Meteor” ins Schwarze Meer angesehen hat. In einem weiteren Beitrag beschreibt Willke, was Unterwasserroboter inzwischen alles können. Riskante Tauchbooteinsätze mit Menschen an Bord – wie es chinesische Forscher soeben demonstrierten – sind daher eher Schnee von gestern.
Auf welche Weise Wissenschaftler am Marum herausgefunden haben, dass vor allem die Wassertemperaturen im Atlantik bestimmen, ob es im Sahel zu einer Dürre kommt oder nicht, ist Inhalt eines Artikels, den Ralf Butscher recherchiert hat. Weitere Beiträge stellen außergewöhnliche Forscherinnen und Forscher vor und zeigen brillante Fotos aus 2000 Meter Meerestiefe. Ich glaube, Sie werden ebenso wie ich begeistert sein von den glanzvollen Fotos und überraschenden Forschungsergebnissen, die unser Layout-Chef Heino Pollmann augenfällig in Szene gesetzt hat.
Noch ein zweites Institut wird in dieser Ausgabe ausführlich beleuchtet – das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Mit einer Jubiläums-Gala feiert es am 29. September sein 20-jähriges Bestehen. Joachim Wille, im Hauptberuf Reporter der Frankfurter Rundschau, beobachtet die Entwicklung dort seit vielen Jahren und hat die Höhen und (wenigen) Tiefen des Instituts für Sie anschaulich aufgearbeitet. Seinem Beitrag ab Seite 84 schließt sich ein Interview mit dem neuen Präsidenten des Wuppertal Instituts an, dem Wirtschaftswissenschaftler Uwe Schneidewind.
Amputationen sind brachiale medizinische Maßnahmen, erhalten aber schlicht Leben. Die Lebensqualität wird von den frisch Operierten dennoch meist als „mies” beurteilt. Doch die Perspektiven, wieder auf die Beine zu kommen, sind inzwischen deutlich besser als noch vor zehn Jahren. Die Titelgeschichte dieser Ausgabe ist ein bemerkenswertes Beispiel dafür, wie Amputierten, Querschnittsgelähmten oder Blinden durch geschicktes Zusammenspiel von Grundlagenforschern, angewandt arbeitenden Wissenschaftlern und Entwicklern mit moderner Technologie geholfen werden kann. Das Fraunhofer Institut in St. Ingbert leistet hier ebenso gute Arbeit wie Professor Eberhart Zrenner in Tübingen und das Unternehmen Otto Bock mit Hauptsitz Duderstadt. Bionische Prothesen heißt der Fachbegriff für Entwicklungen, die den Betroffenen deutlich mehr Chancen als je zuvor geben, sich wieder voll in die Gesellschaft eingliedern zu können.





