Es ist schon bizarr, womit sich manche Wissenschaftler befassen. Jetzt haben Forscher des University College London um Lucia Garrido und Brad Duchaine den ersten bekannten Fall einer angeborenen Phonagnosie beschrieben: der Unfähigkeit, Stimmen zu erkennen. Diese auditive Störung war bisher nur bei Menschen mit einem Hirnschaden bekannt – etwa durch einen Schlaganfall.
Es handelt sich um eine 60-jährige Geschäftsfrau, die am Telefon keine Stimmen erkennen kann, nicht einmal die ihrer Tochter. Sie hat das Problem seit ihrer frühen Jugend. Als sie von Menschen hörte, die keine Gesichter identifizieren können (Prosopagnosie), kam ihr der Gedanke, an einem akustischen Pendant zu leiden. Die Frau nahm Kontakt mit den Londoner Wissenschaftlern auf, die eine Reihe von Tests durchführten. So sollte sie die Stimmen von Prominenten wie Margaret Thatcher oder David Beckham erkennen. Im Gegensatz zu einer Kontrollgruppe gelang ihr dies nicht. Als die Forscher das Gehirn der Frau mit einem Magnetresonanztomographen scannten, konnten sie jedoch keine krankhaften Veränderungen feststellen.
Garrido und Duchaine vermuten, dass es sich um keinen Einzelfall handelt, sondern dass etliche Menschen an einer angeborenen Phonagnosie leiden. Für eine Studie suchen sie noch Betroffene, die sich per Mail unter b.duchaine@ucl.ac.uk bei ihnen melden können.





