Ameisen sind ausgeprägte Gruppentiere. Die Insekten handeln oft gemeinsam und koordiniert – etwa, wenn sie einen Gegenstand tragen wollen, der für ein Tier allein zu schwer ist. So transportieren sie beispielsweise Futter und Baumaterial für ihr Nest über weite Strecken. Aber kombinieren sie dabei nur ihre Muskelkraft oder auch ihre Navigationsfähigkeiten? Wie effektiv transportiert das Ameisenkollektiv die Last und absolvieren die Tiere das Manöver einzeln oder in der Gruppe besser? Und lösen Ameisen solche Aufgaben klüger als Menschen?

Mensch und Ameise im Vergleichstest
Das haben nun Forschende um Tabea Dreyer vom Weizmann-Institut für Wissenschaften in Israel getestet. Sie verglichen, wie Menschen und Ameisen dasselbe geometrische Puzzle lösen: einen abstrakten „Klaviertransport“, den nur Menschen und ein Prozent der Ameisenarten hinkriegen, darunter die Schuppenameise Paratrechina longicornis, auch als „Crazy Ant“ bekannt. Die Versuchsteilnehmer mussten bei dem möbelähnlichen Transport jeweils ein sperriges T-förmiges Objekt durch zwei aufeinanderfolgende enge Türspalte in einen dritten Raum manövrieren, indem sie es mehrfach drehen und wenden. Die Größe des Objekts und der Räumlichkeiten war jeweils an Mensch und Ameise angepasst, im Maßstab und der Relation aber identisch.
Die tierischen und menschlichen Teilnehmer lösten die Aufgabe entweder einzeln oder in einer Gruppe aus rund sieben oder deutlich mehr Individuen. In einigen der Versuche durften die Menschen dabei nur auf dieselbe Weise kommunizieren wie Ameisen: nonverbal, ohne Gestik oder Mimik, rein basierend auf dem ausgeübten Druck oder Zug. Die Biophysiker filmten die Lösungsversuche der menschlichen und tierischen Teilnehmer. Dann verglichen sie in den Aufnahmen, wie sie das T-Objekt bewegten, welche Wege sie einschlugen und wie oft es ihnen gelang, es durch die Türen zu tragen.
Teamplayer oder Individualist?
Das Ergebnis: Ein einzelner Mensch löste die Aufgabe stets besser als eine einzelne Ameise, aber ähnlich gut wie eine menschliche Gruppe. Die Menschengruppen diskutierten dafür zunächst mehrere Sekunden lang mögliche Wege, bevor sie den Gegenstand überhaupt anfassten. Dann einigten sie sich auf einen Ansatz und verhielten sich quasi wie ein einzelner Mensch. Die Ameisen hingegen bugsierten das Objekt ohne zu zögern durch die Türen – und das wesentlich erfolgreicher gemeinsam mit ihren Artgenossen als allein. Die Insekten waren zudem in großen Gruppen erfolgreicher als in kleineren und schnitten dann ähnlich gut wie eine Menschengruppe ab.





