Lebendige Sprache – große Vielfalt
Globalisierung nicht das einzige Problem
Die Globalisierung ist nicht der einzige Grund, warum Sprachen aussterben. Es gibt Sprachen, die nur sehr wenige Menschen sprechen, sodass sie schon aufgrund dessen kaum eine Überlebenschance haben. Bevor die Engländer den australischen Kontinent eroberten, gab es dort etwa 300 Sprachen. Diese Zahl hat sich bis heute auf etwa 130 Sprachen reduziert. Wenn nur wenige eine dieser Sprachen sprechen und sie nicht an ihre Kinder weitergeben, ist die Sprache eine Generation später tot. Das gilt auch für große Sprachen. Latein ist so eine große Sprache, die faktisch ausgestorben ist. Allerdings sind daraus andere Sprachen hervorgegangen, wie die romanischen Sprachen.
Mit der Sprache stirbt eine Kultur
Die vielfältigen Sprachen in dieser Welt sind ein Ausdruck der vielfältigen Kulturen. Geht eine Sprache zugrunde, hat das zur Folge, dass eine ganze Kultur damit zugrunde geht. Wenn die Verbreitung der Sprache immer geringer wird und sie quasi vor unseren Augen stirbt, ist das ein trauriger Prozess. Für die Gesellschaft für bedrohte Sprachen steht fest, dass der Verlust von Wissen und von unterschiedlichen Denkweisen damit einhergeht. Die Gesellschaft macht sich dafür stark, bedrohte Sprachen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie organisiert zu diesem Zweck zum Beispiel Ausstellungen und Veranstaltungen und macht durch ausgewählte Expertenrunden auf sich aufmerksam. So können interessierte beispielsweise an einer Expertenführung zur Fragestellung „Bedrohte Sprachenvielfalt – Was geht verloren? teilnehmen oder die Ausstellung „Was fremde Sprachen anders machen“ im Museum für Kommunikation in Berlin besuchen. Umso wichtiger ist es, dass jeder sich mit Sprache beschäftigt, was mit Magazinen und dem Internet heute so einfach gemacht wird wie nie.
Die drei Weltsprachen
Etwa 50 Prozent der Weltbevölkerung spricht eine der großen Weltsprachen. Das sind in erster Linie Englisch, Chinesisch und Spanisch. Die andere Hälfte spricht eine der vielen kleinen Sprachen. Vom Verschwinden sind meist indigene Sprachen betroffen, wie im Fall der Fulni-o. Diese Volksgruppe im Nordosten Brasiliens hat ihre Originalsprache, das „la-tê“ lange Zeit aktiv und lebendig gehalten. Auch das zugehörige Ritual, das „Oricuri“, praktizieren sie noch innerhalb ihrer Gemeinschaft und verborgen vor der Öffentlichkeit. Die jungen Fulni-o bevorzugen jedoch mehr und mehr, Portugiesisch zu sprechen. Damit ist ihre Sprache so langsam vom Aussterben bedroht.





