Physikalische Alltagsphänomene
Ästhetik, literarischer Anspruch, Sprach- und Stilbewusstsein: So schön ist Physik selten. Hans Joachim Schlichting nimmt sich der unspektakulärsten Objekte an, die man sich nur vorstellen kann Raureif an Blatträndern, Schattensäume im Wasser, ein Regenbogen im Spinnennetz, ein Ölfleck auf nasser Straße, der Widerschein eines Computerbildschirms im Wasserglas. Phänomene von außerordentlicher Attraktivität, wenn man genau hinsieht, deren Zauber jedoch erklärungsbedürftig ist.
Dieser Aufgabe entledigt sich der Autor mit Bravour und Kompetenz: Schlichting ist Direktor des Instituts für Didaktik der Physik der Universität Münster. Bestechend sind Auswahl und Qualität des Bildmaterials, noch bemerkenswerter die stimmigen Zitate aus der Literatur, die über den physikalischen Kontext hinaus weisen ins Empfindsame, Philosophische, Sinnliche.
Sentimentalität ist dem Wissenschaftler freilich fremd: Die eher lakonischen Erläuterungen fordern dem Leser einiges an Konzentration und Grundlagenwissen in Optik ab. Denn auf diese beschränken sich die knapp 50 Beispiele. Ein Physikbuch für anspruchsvolle Augenmenschen, die das klare Layout und die opulente Ausstattung des Buches schätzen werden.
Hans Schmidt





