Zum Thema Klima und Klimaänderungen sind wir Horrormeldungen gewohnt. Jetzt gibt es mal eine gute Nachricht: China setzt immer weniger Treibhausgase frei. Zwischen 1996 und 2000 sanken die Emissionen von Kohlendioxid (CO2) um 7,3 Prozent. Das berichtete ein chinesisch-amerikanisches Forscherteam unter der Leitung von David G. Streets vom Argonne National Laboratory in Argonne, Illinois, kürzlich in der US-Fachzeitschrift Science. Auch der Ausstoß von Methan, dem zweiten wichtigen Klimagas, ging seit 1997 um 2,2 Prozent zurück. Dabei gilt das bevölkerungsreichste Land der Erde mit seiner boomenden, auf Kohle basierenden Wirtschaft als das Schreckgespenst der Klimaschützer. Bei der Verbrennung fossiler Kraftstoffe setzte China im Jahr 2000 rund 260 Millionen Tonnen CO2 – das entspricht ungefähr einem Prozent des weltweiten Ausstoßes – weniger frei als vier Jahre zuvor. In Westeuropa stiegen die Emissionen im gleichen Zeitraum um mehr als vier, in den USA um mehr als sechs Prozent. Ende der neunziger Jahre litt China unter der asiatischen Wirtschaftskrise. Trotzdem wuchs seine Volkswirtschaft Schätzungen zufolge um fünf bis sechs Prozent pro Jahr. Als Gründe für die Einsparung von CO2 nennen die Autoren des Science- Artikels die Schließung von kleinen, ineffektiven Fabriken, verbesserte Qualität der Kohle, den Umstieg vieler Haushalte von Kohle auf Gas und Strom, technischen Fortschritt in Energie-intensiven Branchen und die Öffnung des Marktes für bessere Kohle und Elektrizität. In Zukunft sei wieder mit einem Anstieg des Verbrauchs von fossilen Energieträgern zu rechnen. Das Szenario von einer Milliarde chinesischen Autofahrern, die dem Klima den Garaus bereiten, droht also weiterhin. Doch gestaltet sich der Anstieg der Treibhausgase vermutlich erheblich langsamer, als bislang erwartet. So ging die amerikanische Regierung vor dem Klimagipfel in Kyoto 1997 davon aus, China werde bereits im Jahr 2017 mehr Treibhausgase ausstoßen als das eigene Land. Der Senat verabschiedete daraufhin ohne Gegenstimme die Forderung, den Entwicklungsländern müssten bei Klimaabkommen ebenfalls Begrenzungen auferlegt werden. Damit konnte sich die USA indes in Kyoto nicht durchsetzen. Seitdem nimmt sie in den internationalen Klimaverhandlungen eine blockierende Haltung ein. Nun muss das Szenario revidiert werden. David Streets und sein Team deuten vorsichtig an, die Erfahrungen Chinas ließen sich möglicherweise auf andere Entwicklungsländer übertragen. Jochen Luhmann vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie meint jedoch skeptisch: „China ist ein besonderer Fall.” Man könne nicht alle Entwicklungsländer über einen Kamm scheren. Frank Biermann vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung ergänzt, es liefen längst Programme, um effiziente umweltfreundliche Technik in der Dritten Welt zu finanzieren, etwa bei der Global Environmental Facility der Weltbank. Indien zum Beispiel weise mittlerweile das weltweit größte Wachstum bei der Windenergie auf. Aber: „Der Norden trägt die Hauptverantwortung.” 1998 pustete China pro Kopf 2,3 Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre, Deutschland 10,4 und die USA 20 Tonnen.
Wolfgang Blum




