Wurst, Burger, Schnitzel …: Für viele Menschen sind Fleischprodukte die Hauptsache an einer Mahlzeit. Besonders in Deutschland werden dadurch jährlich gigantische Mengen an Erzeugnissen aus der Massentierhaltung vertilgt. Doch dabei handelt es sich bekanntlich um ein Konsumverhalten, das aus verschiedenen Gründen problematisch ist: Neben den gesundheitlichen Risiken ist übermäßiger Fleischverbrauch mit viel Tierleid verbunden. Außerdem wirkt er sich negativ auf die Umwelt sowie das Klima aus, denn der CO₂-Fußabdruck fällt bei der Fleischproduktion um ein Vielfaches größer aus als bei der Herstellung von pflanzlichen Nahrungsmitteln. Maßnahmen, die zu einer Einschränkung des Konsums tierischer Produkte beitragen, können somit in vielschichtiger Weise dem Wohl der Gesellschaft dienen.
Die Studie von Anna Schulze Tilling von der Universität Bonn und Charlotte Klatt von der Universität Kassel belegt nun, dass sich „Veggi-Aktionen“ tatsächlich langfristig günstig auf das Konsumverhalten von Menschen auswirken können. Die beiden Ökonominnen haben ein Projekt in der Bonner Mensa am Hofgarten wissenschaftlich begleitet: Dort wurde der Mai 2023 zum fleischlosen Monat ausgerufen. In dieser Zeit waren alle Gerichte im Angebot nur noch vegetarisch oder vegan.
Der Wirkung des Veggi-Monats auf der Spur
“Die zentrale Frage bei unserer Studie lautete: Kann solch eine Initiative auch längerfristig zu einer Verhaltensänderung führen?”, sagt Klatt. Um ihr nachzugehen, werteten die Wissenschaftlerinnen die Verkäufe während und nach dem vegan-vegetarischen Monat aus. Die Grundlage bildeten die anonymisierten Daten der Mensa-Kassen. Sie umfassten mehr als 117.000 Portionen, die von mehr als 4500 Besuchenden verzehrt wurden. “Besonders interessierte uns der Fleischanteil unter den verkauften Hauptkomponenten nach dem fleischlosen Monat”, sagt Schulze Tilling.
Zusätzlich führten die Forscherinnen eine Befragung vor dem Veggie-Monat sowie acht Wochen danach durch. Daran nahmen rund 900 Mensa-Gäste teil. Im Fokus standen dabei grundlegende Einstellungen zum Fleischkonsum und vegetarischen Alternativen. Die zweite Umfrage sollte eventuelle Veränderungen der Meinungen nach der Aktion aufzeigen. Außerdem sollte sie beleuchten, ob die Befragten auch in Zukunft mehr vegan-vegetarische Gerichte essen wollen und was sie von regelmäßigen Veggi-Aktionen halten.
Wie die Forscherinnen berichten, ging aus den Auswertungen der Kassendaten hervor, dass sich der Fleischkonsum nach der Aktion tatsächlich auf ein niedrigeres Niveau einstellte als zuvor. “Wir schätzen, dass sich der Anteil der verkauften fleischhaltigen Hauptkomponenten durch die Intervention um sieben bis zwölf Prozent reduziert hat, verglichen mit der Zeit davor”, berichtet Anna Schulze Tilling. Aus den Ergebnissen ging zudem hervor, dass die Aktion auch der Beliebtheit der Mensa nicht geschadet hat, oder zu einer Verschiebung des Publikums führte: Die Wissenschaftlerinnen stellten fest, dass sich Stammgäste nach dem Veggie-Monat beim Mensabesuch durchschnittlich seltener für das Fleischgericht entscheiden als vorher. “Die Intervention scheint also tatsächlich das Konsumverhalten der Gäste beeinflusst zu haben”, resümiert Klatt.





