Mit mehr als 200 Millionen verkauften Tonträgern ist Taylor Swift eine der kommerziell erfolgreichsten Popsängerinnen der Geschichte. Seit sie 2006 im Alter von 16 Jahren ihr Debütalbum veröffentlicht hat, hat sie sich mit zahlreichen Nummer-eins-Alben, Grammy-Auszeichnungen und weltweiten Tourneen zu einer prägenden Persönlichkeit der internationalen Popmusik entwickelt. Im Laufe ihres Lebens ist Swift mehrfach in verschiedene Teile der USA umgezogen. So wohnte sie zu Beginn ihrer Karriere in Nashville in Tennessee. Später zog sie zurück in ihre Heimat Pennsylvania, 2014 wechselte sie nach New York City.

Interviews als Forschungsmaterial
Wie sich diese Veränderungen in Swifts Sprechweise niedergeschlagen haben, lässt sich anhand ihrer Interviews nachverfolgen. Das macht den Popstar auch für die Sprachforschung interessant. Denn bisher gibt es nur wenige Erkenntnisse dazu, wie Menschen neue Sprachmuster, Akzente und regionale Dialekte annehmen. „Taylor Swift eignet sich perfekt für diese Art von Längsschnittanalyse, da sie im Laufe der Jahre viele Male interviewt und aufgenommen wurde und Gründe hatte, ihren Akzent zu bestimmten Zeiten zu ändern“, sagt Matthew Winn von der University of Minnesota.
Gemeinsam mit seinem Kollegen Miski Mohamed hat Winn zahlreiche aufgezeichnete Swift-Interviews analysiert. Dabei untersuchte das Team für mehr als 1400 Vokallaute, wie sich die stimmliche Resonanz der Sängerin mit der Zeit veränderte. „Diese Resonanzen zeigen die genaue Art und Weise, wie eine Person einen Vokal artikuliert“, erklärt Winn. „Das Wichtigste bei der Analyse von Dialekten ist, zu messen, wie sich der Vokal von Anfang bis Ende des Lauts durch den Mund bewegt. Wir haben zehn Messungen pro Vokal vorgenommen, um diese Bewegung aufzuzeigen. So konnten wir zeigen, wie sich Swifts Artikulation in den verschiedenen Städten veränderte.“
Regionale und soziale Einflüsse
Während ihrer Zeit in Nashville gewöhnte sich Swift demnach einen Südstaatenakzent an. Besonders deutlich zeigte sich der regionale Effekt beim Laut „aɪ“ wie in „my“ oder „ride“. Normalerweise beginnt dieser Laut mit einem weit hinten im Mund gesprochenen a und geht in ein i über, wobei die Zunge nach oben und vorne geschoben wird und sich der Unterkiefer dem Oberkiefer annähert. In den Südstaaten dagegen bleibt der Laut offen, sodass „ride“ fast wie „rod“ klingt – so auch bei Taylor Swift in ihrer Nashville-Zeit. Winn und Mohamed vermuten, dass Taylor Swift diese Sprachweise bewusst angenommen haben könnte, um sich stärker in die Country-Musik-Gemeinschaft in Nashville zu integrieren. Als sie wieder nach Philadelphia zog, verschwand dieser Akzent wieder.





