Ich bin in einer Kleinstadt in Norddeutschland aufgewachsen. Als ich 14 Jahre alt war, fand mein Vater in Süddeutschland eine neue Stelle. Wir zogen fort, und ich kam nie wieder an den Ort meiner Kindheit zurück. Das änderte sich letzte Woche, als ich beruflich in Oldenburg zu tun hatte. Auf der Rückfahrt hörte ich im Radio, dass vor mir auf der A31 ein langer Stau sei. Ich verließ die Autobahn, um den Stau zu umfahren. Da sah ich plötzlich ein Schild, auf dem „Frensdorf 20 km” stand. Das ist mein Geburtsort. Weil ich es nicht eilig hatte, setzte ich den Blinker und bog ab.
Ich hatte Mühe, die Stelle zu finden, wo ich mit meiner Familie gewohnt hatte. Mein Elternhaus war dem Parkplatz eines Supermarkts gewichen. Etwas enttäuscht fuhr ich ins Zentrum. Auf dem Marktplatz gab es in meiner Kindheit ein großes rundes Blumenbeet, in dessen Mitte auf einer hohen Säule eine lebensgroße Marienstatue stand. Sie hielt das Jesuskind im Arm, trug eine goldene Krone auf dem Kopf und war umringt von einem Strahlenkranz mit zwölf Sternen. Den rechten Fuß hatte sie auf eine silberne Mondsichel gestellt, und sie schaute stoisch wie Lord Nelson auf dem Trafalgar Square tagein, tagaus auf die Menschen, die über den Platz gingen. Als Kinder hatten wir uns immer gefragt, warum eine Mondsichel unter dem Fuß der Madonna lag. Unser Pastor hatte es uns mit der Apokalypse des Johannes zu erklären versucht, was aber keiner von uns verstanden hatte. Es ist mir bis heute rätselhaft. Durch das Blumenbeet führten einige ringförmige Wege um die Säule herum und einige gerade Wege auf die Säule zu. Aus Gründen, die niemand kannte, fehlten in allen Kreisen und Strahlen Abschnitte, sodass die ganze Anlage unsymmetrisch wirkte und es auch nur noch einen einzigen Zugang vom Marktplatz aus gab.
Als Kinder spielten wir häufig auf dem Platz. Irgendjemand – vermutlich unser Klassenprimus Ulrich – hatte sich einmal die Aufgabe ausgedacht, herauszubekommen, auf wie vielen verschiedenen Wegen man vom Marktplatz aus zur Mariensäule gelangen konnte. Dabei durfte man auf den gebogenen Wegen nur im Uhrzeigersinn und auf den geraden Wegen nur auf die Säule zu gehen. Wir waren wochenlang mit dem Problem beschäftigt und erhielten Dutzende verschiedener Lösungen. Ob eine davon richtig war, ließ sich nie klären.
Die unvollständigen Wege und die Mariensäule gibt es auch heute noch auf dem Frensdorfer Marktplatz, nur haben die Stadtväter die Blumenbeete durch Rasen ersetzen lassen. Ich ging über die Wege zur Mariensäule und versuchte das Rätsel aus meiner Kindheit zu lösen. Aber ich war genauso erfolglos wie damals. Wissen Sie die Antwort?
So machen Sie diesen Monat mit
Teilnehmen kann jeder, außer den Mitarbeitern des Verlags und deren Angehörigen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Schicken Sie bitte Ihre Lösung auf einer Postkarte bis zum 28. Februar 2015 an:
bild der wissenschaft, Kennwort „Cogito 2|15″
Ernst-Mey-Str. 8, 70771 Leinfelden-Echterdingen
oder per E-Mail an: cogito@konradin.de
Die Lösung und die Namen der Gewinner werden im Mai-Heft 2015 auf der Leserbrief- Seite veröffentlicht.
Sonstige Zuschriften zu Cogito bitte an: wissenschaft@konradin.de
… und das gibt es zu gewinnen
Unter den Einsendern der richtigen Lösung wird 5 Mal das Buch „ Vom Gottesteilchen zur Weltformel” von bdw-Redakteur Rüdiger Vaas ausgelost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Mit der größten Maschine der Menschheit wurde das legendäre Higgs-Boson entdeckt. Physiker fahnden nach den Grundbausteinen der Natur, nach Antiteilchen aus dem All und nach der Dunklen Materie – dem unsichtbaren Dirigenten im Universum. Und sie suchen eine Erklärung für den Urknall und die Einheit aller Kräfte. Das Buch spannt den Bogen vom Allerkleinsten zum Allergrößten, analysiert den aktuellen Erkenntnisstand der Teilchenphysik und Kosmologie und berichtet über die Suche nach dem Code der Natur, der Einheit und Vielfalt schafft und vielleicht sogar eine Fährte zu anderen Universen weist. Mehr unter: www.kosmos.de




