Die Frage geriet zum Spektakel: „Was wollen wir wissen?” will die Junge Akademie in diesem Jahr wissen und schlug das Thema in großen Lettern an die Wand des Akademiegebäudes in Berlin Mitte. Dort kann sich nun jeder bis zum Jahresende von der Sinnfrage zum Mitmachen animieren lassen. „Was können wir wissen?” war einst die akademische Frage, die der Philosoph Immanuel Kant seinen gelehrten Zeitgenossen stellte. Die Junge Akademie ist 200 Jahre später kritischer und impliziert in ihrer Aufforderung zum Mitmachen bereits die Beschränkung auf das Menschenmaß. Die Junge Akademie ist die „Jugendorganisation” der altehrwürdigen Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle. Um dem leicht angemufften Image der Mutterorganisationen zu entkommen, suchen die Jungakademiker gezielt die Begegnung mit der Öffentlichkeit. „Was wollen wir wissen?” wendet sich ausdrücklich an alle interessierten Menschen, die sich zu diesem Thema äußern wollen. Dabei geht es nicht nur um wissenschaftliche Erkenntnisse oder Abhandlungen; zugelassen sind alle Formen der Meinungsbildung: Es werden Skulpturen, Gedichte, Installationen, Essays, Kompositionen, Fotos, Videos und naturwissenschaftliche Papers entgegengenommen. Auch Mischformen sind möglich. Die Junge Akademie vergibt für die Sieger drei Preise in Höhe von 5000, 2500 und 1500 Euro. Die Arbeiten müssen bis zum 31. 12. 2002 eingegangen sein bei: Die Junge Akademie Geschäftsstelle Jägerstraße 22|23 10117 Berlin Detaillierte Informationen gibt es bei: www.diejungeakademie.de bei der Koordinatorin der Jungen Akademie, Dr. Elisabeth Hamacher, unter: hamacher@diejungeakademie.de oder unter Telefon 030|20370655
Neben der Öffentlichkeitsarbeit will die Junge Akademie den interdisziplinären Diskurs unter herausragenden Nachwuchswissenschaftlern fördern. Die jungen Forscher strotzen vor Selbstbewusstsein, in ihren Statuten formulieren sie sehr direkt: „Inhalt und Struktur von Wissenschaft und Forschung werden durch das Urteil der älteren Generation geprägt, Weichen aus deren Sicht gestellt. Maßgebliche intellektuelle Ressourcen bleiben damit ungenutzt. Ein Großteil herausragender wissenschaftlicher Leistungen wird im frühen Erwachsenenalter erbracht. Dem wissenschaftlichen Nachwuchs bleibt die Mitgliedschaft in einer Akademie jedoch in der Regel verschlossen. Damit fehlt eine institutionalisierte, an den Leitgedanken des disziplinen-übergreifenden akademischen Diskurses orientierte Förderung junger wissenschaftlicher Eliten.” Dem will die Junge Akademie als „eigenständige wissenschaftspolitische Kraft” entgegenwirken. Die Institution wurde im Juni 2000 für zunächst zehn Jahre gegründet, finanziert wird sie vom Bundesforschungsministerium und der VolkswagenStiftung. Die Frage des letzten Jahres lautete: „Was ist es, das in uns schmerzt?” Statt der erwarteten 100 Einsendungen kamen 472. Der ersten Preis gewann die Berliner Literaturwissenschaftlerin Annette Jael Lehmann mit einem Video-Essay. Eine Kommunikationsdesignerin und ein Psychologe folgten mit Erzählungen auf den Plätzen 2 und 3.
Michael Zick





