Moralische Cartoons und bunte Bildchen
Ob das tatsächlich so ist, haben die Forscher nun in einem Experiment mit 57 Kindern im Alter von drei bis fünf Jahren untersucht. Während der Tests setzten sie den kleinen Probanden eine Elektrodenkappe auf, um ihre Hirnströme abzuleiten. Dann folgte der erste Test: Sie spielten den Kindern mehrere kurze Cartoonszenen vor. In diesen verhielt sich ein Protagonist entweder prosozial – er half einem anderen oder teilte Süßigkeiten mit ihm – oder er handelte unfair und “Böse, indem er seinen Partner schubste oder schlug. Wie sich zeigte, lösten diese Szenen zwei verschiedene Reaktionen im Gehirn der Kinder aus: eine emotionale und quasi automatische Antwort und eine erst später einsetzende verstandesmäßige Bewertung. “Die moralische Einschätzung bei Kindergartenkindern ist demnach komplex und sowohl durch Gefühle als auch durch den Verstand geprägt”, sagt Decety.
In einem zweiten Test erhielt das Kind zehn bunte Bildchen und dazu die Information, dass das als nächstes in den Raum kommende Kind keine Bildchen bekommen würde. Die Forscher wollten sehen, ob die kleinen Teilnehmer spontan einen Teil ihrer Bildchen abgeben würden – und wie viel. Tatsächlich teilten die meisten Kinder und gaben zumindest ein oder zwei Bildchen ab. Wie großzügig sie handelten, ließ sich dabei sogar vorhersagen, wie die Forscher berichten: Je stärker im vorgehenden Test die verstandesmäßige Reaktion ausfiel, desto großzügiger waren die Kinder. Das passt sehr gut zu dem Annahmen der Theorie: Auch wenn Kinder schon von klein auf quasi instinktiv erkennen, was richtig und falsch ist, handeln sie nur dann danach, wenn sie auch kognitiv erfassen und bewerten können, warum das so ist.
Diese Erkenntnis hat durchaus handfeste Bedeutung für Weihnachten, Geschenke und die Erziehung von Kindern, wie Decety erklärt: “Indem wir Kinder dazu ermutigen, über das moralische Verhalten von anderen nachzudenken, fördern wir ihre Großzügigkeit und ihre Fähigkeit, fair zu handeln”, so die Forscherin. Denn je mehr Kinder sich der moralischen Regeln bewusst sind, desto besser können sie ihr instinktives Erkennen von richtig und falsch auch umsetzen. Im Prinzip bestätigen die Forscher damit die altbewährte Praxis von Eltern, ihre Kinder immer wieder zum Teilen anzuhalten.





