Presseveranstaltung im Hause Siemens. Eigens für die Zeitung Die Welt und bild der wissenschaft veranstaltet der Konzern in seiner Münchner Forschungszentrale einen „Laborbesuch”. Die beiden Medienmenschen werden mit vielen spannenden Themen konfrontiert, die Siemens heute vorantreibt, weil sie morgen Erlöse versprechen. Beim Mittagessen treffen wir auf Maximilian Fleischer, der gerade die Schweinegrippe überstanden hat. Er macht wenig Aufhebens von dieser Krankheit – offenbar war er nur an einem Tag angeschlagen. Max Fleischer, Honorarprofessor an der Budapest University for Technology and Economics, ist ein charmanter Plauderer, gebildet, lebensfroh. Und er ist frei von schablonenhaften Urteilen, die man im Business bei Menschen seines Alters – er ist Jahrgang 1961 – häufig vorfindet. Er lädt uns ad hoc zu einer Laborbesichtigung am späteren Freitagnachmittag ein, die ich gerne annehme, während mein Kollege zu einem Interview mit Reinhold Achatz, dem Forschungschef von Siemens und damit auch dem Chef von Fleischer, aufbricht.
Maximilian Fleischer führt mich durch seine Labore und lässt seinen jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Freiheit, ihre Projekte vorzustellen. Es geht um neuartige Gas-Sensoren, die drohende Asthmaanfälle frühzeitig erkennen, um Systeme, die Alkoholfahrten im Auto unterbinden, sowie um Sensoren, die entstehende Brände zuverlässiger, preisgünstiger und und dennoch früher detektieren als bisherige.
Wie trickreich solche Apparaturen aufgebaut sind, um exakt zu messen, zeigt der Alkoholsensor. Er prüft zunächst, ob man stark genug in das Gerät hineinbläst, damit auch wirklich Luft aus der Lunge gemessen wird. Denn die Luft aus der Mundhöhle würde ein falsches Ergebnis liefern. Dann wird ein kleiner Teil des Atems zu einem auf 800 Grad Celsius aufgeheizten Keramiksensor gelenkt, der bei Anwesenheit von Alkohol seine elektrische Leitfähigkeit erhöht und damit über die Promillewerte Auskunft geben kann. Prinzipiell wäre es kein Problem, dieses System mit der Startelektronik eines Automotors zu koppeln, um Promillefahrten elegant zu unterbinden.
Feinfühlige Sensoren werden wohl bald auch Asthmakranken das Leben erleichtern. Durch Feinanalyse der ausgeatmeten Gase lassen sich Anfälle bereits Stunden zuvor erkennen und ohne Not therapieren. „Denn schon da erhöht sich in der ausgeatmeten Atemluft der Stickoxid-Anteil in kleinsten Mengen”, weiß der Professor. Ein von seiner Gruppe entwickeltes Sensorsystem wird demnächst in der klinischen Anwendung erprobt und dürfte – das legen aktuelle Verhandlungsergebnisse nahe – bei Zulassung von den Krankenkassen übernommen werden.
Grundsätzlich ersonnen wurden die vorgestellten Sensoren von Maximilian Fleischer – einer Erfinderpersönlichkeit unserer Tage. Von Verschrobenheit keine Spur, auch eine ausgeprägte Eigenwilligkeit vermag ich nicht an ihm zu erkennen. Seit 1992 steht er in den Diensten von Siemens, 155 Patente hat er in dieser Zeit angemeldet, das sind statistisch betrachtet 8,6 im Jahr – oder alle 26 Arbeitstage eines. Einen so erfolgreichen Menschen möchte man gerne näher kennenlernen. Wir verabreden uns auf einen zweiten Termin einige Monate später, bei dem ich dem waschechten Münchner über die Schulter schaue.
Dienstagmorgen, 8.30 Uhr. Maximilian Fleischer steht an der Eingangstür des Platanenhauses, eines von vielen meist sechsstöckigen Siemens-Gebäuden in München-Neuperlach, dem größten Standort der weltweit tätigen Siemens-Forschung. Er empfängt mich mit freundlichen Worten und aufmerksamem Blick. Sofort sind wir mitten drin im angeregten Gespräch. Angekommen in seiner Abteilung und seinem Büro, unterhalten wir uns über seine Anfänge in der Forschung. „Ich hatte das Glück, bereits als Diplomand bei Professor Hans Meixner Neues ausprobieren zu dürfen.” In den Jahren 1986/87 beschäftigte sich der 2005 mit dem Deutschen Zukunftspreis ausgezeichnete Meixner mit Piezomotoren. Das sind kleine Antriebe aus keramischen Werkstoffen, die sich unter Stromeinfluss verformen und so einen Rotor antreiben. Damals liefen die Motoren nur in eine Richtung. „Ich habe dann einen Piezomotor entwickelt, der sich in beide Richtungen drehen kann”, erzählt Fleischer. Das brachte ihm die ersten beiden Patente und fünf Veröffentlichungen ein.
So richtig auf den Trichter kam er durch seine Doktorarbeit, die er an der TU München anfertigte – auf Siemens-Seite ebenfalls betreut von Meixner. Da ging es um eine schnelle Lambdasonde, die den Sauerstofffühler für Automotoren optimieren sollte. Fleischer testete Galliumoxid – mit zweischneidigem Ergebnis: Für die Lambdasonde erwies sich diese Keramik als zu träge. Doch der aufmerksame Doktorand entdeckte etwas anderes: Die Substanz reagierte heftig auf Kohlenmonoxid. Und er erkannte, dass sich das als elegante Nachweismethode für das hochgiftige Gas nutzen ließ. Die Basis für den ersten chemischen Sensor „invented by M. Fleischer” war geschaffen. Bis aus seiner Entdeckung ein kostengünstiges Produkt wurde, vergingen freilich Jahre. Seit 2004 fertigt das Heiztechnik-Unternehmen Vaillant den Galliumoxid-Sensor. Das ist typisch für neue Entwicklungen, sagt Fleischer: „Wenn jemand behauptet, dass eine neue technische Erfindung zwei Jahre später marktreif sei, redet er Unsinn.”
Nach seiner Promotion trat Fleischer in die zentrale Forschungsabteilung bei Siemens ein. „Schon damals arbeitete ich im selben Gebäude wie heute, das in all den Jahren stets mein Arbeitsort war – auch wenn ich hier inzwischen etliche Male den Schreibtisch gewechselt habe.” Mehrere kurzzeitige Schreibtischwechsel stehen auch an diesem Vormittag an. Fleischer verlässt sein Büro kurz vor 10 Uhr mit mir im Schlepptau und eilt in ein Meeting. Dort geht es darum, dass sich ein anderer Siemens-Mitarbeiter von Fleischer Ideen erhofft, um strukturschwache Brücken mit geringem technischem Aufwand erkennen zu können. Danach sucht ein japanischer Kunde von Siemens.
Stahlbeton verändert sich mit dem Alter. Aus dem Stahl diffundiert Kohlenstoff, wodurch die Elastizität schwindet und der Stahl zu Eisen versprödet. Im schlimmsten Fall bricht eine solche Brücke in sich zusammen (siehe Beitrag „Reha für bröckelnde Brücken” in diesem Heft). Chemische Sensoren könnten den Alterungsprozess rechtzeitig erkennen: Mit solchen Sensoren bestückte RFID-Chips detektieren entweichenden Kohlenstoff und schlagen daraufhin Alarm. Fleischer hört sich das Problem der japanischen Firma aufmerksam an, fragt präzise nach, gibt Anregungen und erklärt mögliche Potenziale. Wenn es um mechanische Fragestellungen geht, hält er sich zurück: „Das ist nicht mein Thema.”
Gegen 10.30 Uhr ist eine Teambesprechung in Fleischers Abteilung angesetzt. Wir kommen etwas zu spät. In einer lockeren Runde sitzen zwei Frauen und sechs Männer. Die Stimmung ändert sich nicht sichtlich, als wir eintreten. Um 10.44 Uhr ruft Fleischer aus: „Eine Viertelstunde Budget.” Es geht um Mittelzuweisungen für Notebooks, Spektrometer, Gasmessplätze, Software … Während die Mitarbeiter referieren, schaut sich Fleischer auf seinem Laptop E-Mail- Eingänge an, beantwortet manche von ihnen sofort: „Grüße Max Fleischer”, ist aber stets präsent, wenn es bei der Besprechung um Dinge geht, die ihn betreffen. Manche im Team – auch Jüngere – reden ihn mit Max an. Bis kurz nach elf werden dann auch noch Projekte durchgesprochen, es geht um Arbeitsstunden, deren Verrechnung und den zur Verfügung stehenden Etat.
Auf diese rasch durchgezogenen Etatrunde folgt eine Telefonkonferenz mit Kooperationspartnern von Siemens in Freiburg/Breisgau und in der Schweiz, zu der Fleischer auch einen Mitarbeiter aus der Etatrunde hinzugezogen hat. Der versucht vergeblich, die Telefonkonferenz von Fleischers Büro aus zustande zu bringen. Bei dem Gespräch soll es um die Entwicklung von Feldeffekttransistoren gehen, die ausströmendes Rauchgas frühzeitig erkennen. Die Konferenzschaltung klappt einfach nicht. Fleischer übernimmt den Job und scheitert ebenfalls mehrfach. Aber er behält die Ruhe. In der dann doch zustande gekommenen Gesprächsrunde behält er seine Souveränität, obwohl ein Telefonteilnehmer wieder und wieder mit einem kleineren Problem nervt. Auch beim anschließenden bdw-Interview ist Fleischer so locker wie zu Beginn des Arbeitstages.
Wie gehen Sie mit Menschen um, die aus ihrer Abneigungen gegenüber Physik oder Chemie keinen Hehl machen?
Auch mit ihnen kann ich problemlos über meine Arbeit reden. Natürlich nicht, indem ich ihnen im Detail erkläre, wie ein Sensor funktioniert. Sondern ich spreche dann davon, wie uns solche Sensoren im täglichen Leben helfen können. Wir müssen die Vorurteile gegenüber Naturwissenschaften und Technik Stück für Stück abtragen und dürfen nicht den Fehler machen, dass sich alles zum Positiven ändert, nur weil wir mit einigen geredet haben.
Stellen Sie sich gerne den Fragen der Öffentlichkeit?
Es macht mir Spaß, mit Menschen auch außerhalb meines Berufes umzugehen. Ich halte gerne allgemein verständliche Vorträge. Der tollste Wissenschaftler ist nichts wert, wenn man ihn nicht versteht.
Angeblich verdoppelt sich das Wissen der Menschheit alle fünf Jahre. Bedrückt es den Menschen Fleischer, dass er unmöglich Schritt halten kann?
Ich finde es toll und spannend, dass das Wissen so explodiert – und keineswegs bedrückend. Es ist völlig unnötig, alles zu wissen. Dazu gibt es heute genug elektronische Hilfsmittel.
Maximilian Fleischer hat sich in der Sensorwelt und bei Siemens einen Namen gemacht durch seine Begabung, Dinge schneller zu erkennen als andere, um daraus rasch Publikationen und Patente zu entwickeln. Wie erklärt er seinen Erfolg? „Viele Leute sind gut ausgebildet, verfügen über großes Wissen – haben also gute Ansätze. Doch sie erkennen oft nicht rasch genug den Wert einer Entwicklung.” Und: „Es reicht nicht, wissenschaftliche Artikel zu lesen oder Vorträge anzuhören. Man muss mit den Autoren in Gedankenaustausch treten.” Neue Ideen kämen ihm nach Gesprächen, wobei er Zuhören für wichtig hält. Die Badewanne oder das Glas Rot-wein inspirieren ihn nicht. „Wenn schon in Mußestunden, dann beim entspannten Lesen.” Neben seiner Kommunikationsstärke scheint Fleischer ein begabter Denker zu sein. Nachdenken und dadurch Zusammenhänge verstehen zu lernen, war ihm schon in der Schule sympathischer als pauken. „Physik hat mir mehr Spaß gemacht als Chemie, weil ich dort weniger lernen musste.” Überraschenderweise änderte sich das auch in seinem Physikstudium nicht. „Ich bin in die Prüfung für angewandte Physik ohne Vorbereitung gegangen. Das Ergebnis war eine 1,3.” Seine Vorgesetzten bei Siemens realisierten, dass Fleischer etwas Besonderes hat: Seit vielen Jahren kann er sein Wissen unverändert der zentralen Forschung zur Verfügung stellen, die heute unter dem Begriff Siemens Corporate Research and Technologies firmiert. Der Name hat sich mehrfach verändert, die Vorgesetzten auch. Doch Fleischer sitzt seit 18 Jahren im Sattel. „Allen Vorurteilen zum Trotz: Unser Management weiß Wissensträger zu schätzen und ermöglicht ihnen eine Expertenkarriere.” Längst ist der Erfinder bei Siemens mehr als eine „Expertenkarriere”. Sein Team umfasst 14 Angestellte und 10 Doktoranden oder Studenten. „Auch um 6 Uhr abends ist der Laden bei uns noch voll” , freut sich der Meister, der weiß, dass eine motivierte Mannschaft auch ihm nützt.
Wie viele Ihrer 155 Patente hätten Sie ohne Hilfe durch andere nicht beantragen können?
Wenn ich nicht so viele Kontakte zu anderen hätte, wären es bedeutend weniger geworden. Auch das Team hier bei Siemens spielt eine große Rolle. Ich gehe davon aus, dass ich nur 10 bis 15 Prozent meiner Patente hätte anmelden können, wenn ich diese beiden Ebenen nicht gehabt hätte.
Sind Sie gierig nach Patenten? Macht Sie das Anmelden von Patenten süchtig?
Nicht ein Patent an sich, sondern das Finden von neuen und besseren technischen Lösungen ist das, was mir am meisten Spaß macht und mich antreibt. Die Patente braucht man bloß, um diese Lösungen dann nutzen zu können. Aber ich mache auch gerne Urlaub, ohne dass ich dabei ständig etwas Neues erfinden muss.
Wie beurteilen Sie Ihre kreativen Fähigkeiten aktuell?
Abgesehen davon, dass ich angesichts meiner 49 Jahre auf die Gesundheit achten muss, bringt mir mein Alter einen geschärften Blick dafür, was eine sinnvolle Erfindung ist und welche nur einem Selbstzweck dient.
Haben Sie denn keine Erfindung nur für sich selbst angemeldet?
Privat habe ich nichts patentiert. Das macht auch keinen Sinn. Der einzige Sinn von Patenten ist, dass man seine Überlegungen geschäftlich verwerten kann, dass also eine Firma hinter der Anmeldung steckt.
Wie beurteilen Sie die steten Umstrukturierungen bei Konzernen?
Arbeitsgebiete ändern sich. Ich sehe das nicht als Wechsel der Strategie. Mein Arbeitgeber Siemens stellt heute genau wie früher hochwertige, innovative Produkte her, die oft der Konkurrenz voraus sind. Daran hat sich über all meine Jahre bei Siemens nichts geändert. Und daran zu arbeiten, bereitet mir unverändert großen Spaß.
Die Erwartungen Ihres Arbeitgebers sind angesichts Ihrer bisherigen Erfolge groß. Wie leben Sie mit dem Leistungsdruck?
Der feuert mich an. Ich bin nicht ängstlich und habe auch nicht das Gefühl, für Fehlleistungen bestraft zu werden. Ich wusste zwar oft nicht, wie ich etwas hinbekommen sollte. Doch ich sah und sehe eine solche Aufgabe stets als sportliche Herausforderung an – nach dem Motto: Schaffe ich das?
2003 gab es vom Unternehmen eine ganz besondere Auszeichnung. Fleischer wurde „Erfinder des Jahres”. Davon zeugt eine Urkunde in seinem Büro. Mit Magnet-Stopfen an die Wand gepinnt hängen dort auch Tagungsankündigungen, Urkunden und zwei Fotos von seinen beiden Töchtern, 17 und 19 Jahre alt. Familie ist ihm wichtig. Und die Erziehung. Auch hier vertraut Fleischer seiner Erfahrung: „Man darf junge Frauen nie fragen, was gerade los ist. Wenn man sie nicht nervt, berichten sie irgendwann freiwillig.”
Mit der Erforschung chemischer Sensorik beschäftigen sich seiner Schätzung nach weltweit 30 bis 40 Arbeitsgruppen, „10 bis 15 leisten hervorragende Arbeit”. Auch wenn er das so nicht sagt: Sein 25-köpfiges Team gehört dazu. Über den aktuellen Stand im Wettbewerb ist er gut informiert. Fleischer nutzt die Freiheiten, die ihm sein Arbeitgeber einräumt, und besucht die interessanten Kongresse oder sendet Mitarbeiter dorthin. Dynamik entwickelt er nicht nur bei Publikationen und Patenten. Anders als vielen akademischen Forschern ist es ihm äußerst wichtig, dass innovative Sensoren klein, robust und preisgünstig genug werden, um in Serie gefertigt und in großen Mengen eingesetzt zu werden. „ Mehr als 20 bis 30 Euro darf ein chemischer Sensor in der Regel nicht kosten.” Anders als die klassische Sensorik für die Messung von Temperatur, Bewegung oder Schall stehen chemische Sensoren erst am Anfang ihrer Entwicklungsgeschichte. „Die Kohlenmonoxid- und Kohlendioxid-Detektion ist der Beginn. Es gibt viele Stoffe, die wir gerne nachweisen würden.” Dazu gehören die Nanopartikel im Feinstaub, die Krebs erzeugen können, oder ein Sensor, der misst, ob irgendetwas Schädliches in der Luft oder im Wasser ist, der also nicht ein Einzelgift misst, sondern die Toxizität. Alle Siemens-Aktivitäten auf diesem Gebiet sind bei Fleischer gebündelt. Zu den aktuellen Zielen, die er mit seinem Team erreichen möchte, gehört die Entwicklung von Geräten, die mit optischer Messtechnik Gase aus der Entfernung detektieren können – anwendbar von Gasleck-Suchtrupps oder von Feuerwehrleuten, bevor sie gefährliche Räume betreten. Ein weiteres Feld sind Sensoren, die helfen, Biogasanlagen mit optimaler Wirtschaftlichkeit zu betreiben, oder solche, die die Zusammensetzung von Kohle erkennen, um die Energieerzeugung in Kraftwerken so zu steuern, dass sie möglichst umweltschonend abläuft. Fleischers Team entwickelt auch Infrarot-Scanner, die die Qualität und Frische von Lebensmitteln prüfen, den Alkohol- und Zuckergehalt in einem Cocktail messen und die möglicherweise sogar in der Medizin eingesetzt werden können, um Hauterkrankungen zu erkennen. Einen lukrativen Ansatzpunkt für Gas-Sensoren hat Fleischer in der Raumluft ausgemacht. „Wenn wir sie gut analysieren können, verringern sich die Kosten drastisch.” Der Clou ist, dass mit Sensorhilfe nur gelüftet wird, wenn das wirklich nötig ist. In Büros und Besprechungszimmern beispielsweise: Wenn niemand anwesend ist, wird beim Belüften Energie verschwendet, wenn der Raum voller Menschen ist, reicht die Lüftungsmenge oft nicht aus. „Wenn wir die Belüftung intelligent nach der aktuellen Luftqualität steuern, kann man etwa ein Viertel der Betriebsenergie eines modernen Gebäudes einsparen”, argumentiert Fleischer.
Eine andere Anwendung ist der Einsatz von Feldeffekttransistoren, die gleichsam dreidimensional chemisch analysieren. Und – was entscheidend ist: Anders als herkömmliche Rauchgas-Sensoren reagieren sie auf Brandgase und nicht auf Rauch. „Sie analysieren Wasserstoff, Kohlenmonoxid, Ammoniak und Stickoxide gleichzeitig. Das dokumentiert eindeutig, ob es sich um einen Brand handelt oder um einen Raucher oder um einen qualmenden Wok.” Die Zahl der Fehlalarme – etwa durch Raucher – soll sich dadurch auf nahe Null reduzieren. „Ein herkömmlicher Rauchsensor hat zwar nur eine Fehlermeldung in 100 Jahren. Doch wenn Sie 3000 solche Sensoren im Einsatz haben, wie in Flughäfen, kommen sie schon auf 30 Fehlermeldungen im Jahr – mit hohen Kosten für die ausrückende Feuerwehr oder gar eine vorübergehende Flughafenschließung.”
Maximilian Fleischer bleiben bis zum Rentenalter noch 18 Jahre. Zeit genug, sich weiterhin große Ziele zu stecken. Keine Frage: Etliche davon wird er erreichen. Ehe er am Nachmittag zu einem Vortrag ins badische Freiburg fährt, frage ich ihn, wodurch man seine Kreativität steigern kann: „Auf keinen Fall durch einen Volkshochschulkurs”, wehrt er ab, um dann konstruktiv zu werden: „ Jeder kann kreativ sein. Wer Neues schaffen will, sollte nur einen Teil seiner Zeit für den Wissenszugewinn aufbringen. Mindestens ein Drittel sollte er dafür verwenden, nachzudenken, was aus dem Zugewinn zu folgern ist.” ■
von Wolfgang Hess





