denn der Redakteur war freundlich, zuvorkommend und hilfsbereit. Ich kam von einer Tageszeitung, wo ich Gerichts- und Polizeireporter gewesen war, und an einen ruppigen Umgang gewohnt. So ganz traute ich dem ungewohnten Ton nicht – und hielt erst einmal auf Distanz.
Das ist lange her. Viele Jahre lang waren wir Kollegen in der Chefredaktion von bild der wissenschaft, haben das Magazin immer wieder an moderne Lesegewohnheiten angepasst und es inhaltlich verändert. Und immer, wenn einer von uns beiden Rat suchte, war er beim anderen in guten Händen.
Doch nun ist damit Schluss. Thorwald Ewe tritt in den Ruhestand und hinterlässt bei bild der wissenschaft eine Lücke, die nicht zu schließen sein wird. Für mich ist Thorwald der perfekte Magazinredakteur: kenntnisreich, stilsicher, akribisch im Umgang mit Texten, einfallsreich – auch wenn es um die optische Ausgestaltung der Beiträge geht. Obwohl er in jüngerer Zeit privat so gut wie nie in die weite Welt aufbrach, war er dort zu Hause, verblüffte mich immer wieder durch sein detailliertes Wissen über andere Kulturen und noch mehr durch seine Gewandtheit, sich in anderen Sprachen perfekt auszudrücken.
Viele unserer Leserinnen und Leser sowie die gesamte bdw-Redaktion freuten sich auf seine Titelgeschichten über das Werden des Menschen, die in jährlichem Turnus bild der wissenschaft zierten. Es ging darin um die Entwicklung des modernen Menschen vor 100 000 Jahren im heutigen arabischen Raum oder um die ersten Europäer überhaupt oder um den großen Sprung vor zwei Millionen Jahren, als unsere Vorfahren von Gejagten zu Jägern wurden. Thorwald Ewe fand stets den Bogen, um die Leser für die Paläoanthropologie (welch ein schwerfälliger Begriff für seine lockeren Artikel) zu begeistern. Daneben schrieb er spannende Geschichten über Chemie (jawohl: über Chemie!), Technologie und Medizin.
Wenn jemand in der Redaktion eine Fachfrage hatte, ging er oder sie damit zu Thorwald. Mehr noch: Wenn sich in der Redaktion durch Krankheit, Urlaub oder Dienstreisen Engpässe abzeichneten – er half, sie zu vermeiden. Und das über die Jahre hinweg, ohne zu klagen. Sie sehen: Sein Abgang macht uns Sorgen.
Sie soll das nicht beeinträchtigen. Wir haben mit ihm vereinbart, dass er uns als Autor weiter unterstützt. Mit Titelgeschichten, mit Artikeln und durch das Rätsel „Entdecker gesucht”. Ewe hat dieses Gewinnspiel entwickelt – ein intelligentes Rätsel, das zu bdw passt – und in unserer Jubiläumsausgabe im Februar 2014 erstmals vorgestellt. Aufgrund des großen Leserechos haben wir das Rätselformat in die Januarausgabe 2015 erneut aufgenommen – und beabsichtigen, es zu wiederholen.
Doch heute sagen wir erst einmal: Danke für alles, lieber Thorwald Ewe!





