Wer sich selbst kitzelt, muß nicht lachen. Charles Darwin hat daraus geschlossen, daß der lustige Effekt sozial gelernt wird. Doch der Grund ist ein anderer, wie Sarah-Jayne Blakemore vom University College in London herausfand: Das Kleinhirn nimmt die Reize vorweg und informiert den somatosensorischen Cortex im Großhirn, der für die Verarbeitung von Tast- und Druckempfindungen zuständig ist. Das ergaben Messungen der Gehirnaktivität mit Hilfe der funktionellen Kernspintomographie. Gekitzelt wurde mit einem Roboterarm, der für standardisierte Reize sorgte. Ließen sich die Versuchspersonen mit dem Roboterarm von anderen Teilnehmern kitzeln, mußten sie lachen – nicht jedoch, wenn sie den Arm selbst bedienten. Wurde die Selbstreizung aber mit einer Zeitverzögerung von mehr als einer Fünftelsekunde übertragen, trat der Lacheffekt wieder ein, denn dann war die Vorwarnung aus dem Kleinhirn bereits verklungen. Daß unser Gehirn Sinnesempfindungen vorwegnehmen und daraufhin ignorieren kann, hat einen guten Grund: Es schafft Raum, um die Aufmerksamkeit auf Unerwartetes zu richten. Ein Beispiel: Wenn wir gehen, empfinden wir den Druck auf unsere Sohlen normalerweise nicht. Wenn wir aber auf einen spitzen Stein oder eine Glasscherbe treten, spüren wir den Schmerz sofort.
Hans Groth




