Das Gehirn verarbeitet Informationen besser
In unterschiedlichen Studien fanden Neurowissenschaftler heraus, dass unser Gehirn handschriftlich notierte Informationen besser verarbeitet. Einen Beleg dafür liefert ein Experiment, bei dem sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen Filme mit Vorträgen anschauten. Während sich die eine Hälfte der Probanden mit dem Laptop Notizen machte, schrieb die andere Hälfte mit der Hand mit. Dabei trugen die Probanden über eine Dauer von rund 45 Minuten eine EEG-Kappe. Die daran befestigten Elektroden erfassen kleinste elektrische Gehirnimpulse, welche die Forscher und Forscherinnen anschließend analysierten. Ihre Ergebnisse fielen eindeutig aus: Im Nachhinein konnten sich diejenigen, die sich handschriftliche Notizen machten, deutlich besser an komplexe Zusammenhänge erinnern als die am Laptop tippenden Testpersonen.
Eine Erklärung dieser Ergebnisse liefert der Schreibprozess selbst. In aller Regel schaffen Menschen, die mit dem Laptop tippen, viele Anschläge pro Minute. Dementgegen benötigen handschriftliche Notizen mehr Zeit. So müssen die Schreibenden schon unmittelbar bei ihrer Tätigkeit selektieren und Informationen gezielt auswählen. Bei diesem Prozess verarbeitet das Gehirn Informationen anders, sodass neuronale Verknüpfungen entstehen. Deshalb können sich Handschreibende in aller Regel auch nach dem Schreibprozess besser an die Inhalte erinnern als diejenigen, die mit Tastatur und Maus arbeiten. Gleichzeitig betonten die Wissenschaftler, dass die Stiftform das Ergebnis nicht beeinflusse. Auch mit einem digitalen Stift und einem Touchscreen lasse sich der positive Effekt beobachten. Somit müssen Lernende nicht zwingend in altmodischer Form mit Stift auf Papier schreiben. Vielmehr gehe es um den motorischen Schreibprozess an sich, der sich mit einem digitalen Stift ebenso ausführen ließe wie mit einem gewöhnlichen Kugelschreiber.
Schreiben mit der Hand aktiviert mehrere Hirnareale
Bildgebende Verfahren, wie die vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus erklärte, funktionelle Magnetresonanztomographie, zeigen: An der Verarbeitung von Sprache beteiligen sich verschiedene Hirnareale. Dies gilt sowohl für das Schreiben mit der Hand oder auch fürs Erlernen einer neuen Fremdsprache. Durch den gleichzeitigen Bewegungs- und Denkprozess werden beide Gehirnhälften aktiviert. Neben dem feinmotorischen Areal werde außerdem das fotografische Gedächtnis angesprochen. Beim Tippen auf der Tastatur sei diese Aktivität in den Gehirnbereichen nur eingeschränkt oder überhaupt nicht beobachtbar. Da sowohl die rechte, als auch die linke Gehirnhälfte am handschriftlichen Schreiben beteiligt sind, entstehen nachweislich komplexere und kreativere Texte.





