Gerüche sind für uns selten neutral, sondern in der Regel mit Emotionen verbunden. Je nach Erfahrung, die wir mit einem bestimmten Geruch gemacht haben, ist dieser mit einem positiven oder negativen Gefühl verbunden. Dadurch empfinden wir ihn als angenehm duftend oder eklig stinkend. Dieses simple Prinzip beeinflusst zum Beispiel, ob wir ein Parfum oder ein Lebensmittel als wohlriechend empfinden oder ablehnen – und das höchst individuell. Was für den einen gut riecht, löst bei anderen unangenehme Empfindungen aus. Möglich machen dies individuelle Verknüpfungen in unserem Gehirn. Darin sind bestimmte Hirnregionen für die Geruchswahrnehmung verantwortlich und andere für die Erzeugung einer emotionalen Reaktion zuständig. Aber über welche Schaltkreise sind diese Areale genau miteinander verbunden?
Zwei Nerventypen entscheiden über Duft und Gestank
Das haben nun Forschende um Sarah Sniffen von der University of Florida näher untersucht. Dafür analysierten sie die neuronalen Verbindungen zur basolateralen Amygdala. Diese kleine Gehirnregion, auch Mandelkern genannt, sorgt bekanntermaßen dafür, dass wir auf sensorische Reize emotional reagieren. Das gilt fürs Hören, Sehen, Schmecken, Tasten und Riechen, aber beim Riechen ist die Verknüpfung von Reizwahrnehmung und emotionaler Reaktion besonders eng. „Die Geruchszentren des Gehirns sind enger mit emotionalen Zentren wie der Amygdala verbunden“, erklärt Sniffen. Sie und ihre Kollegen untersuchten diese Verbindung anhand von Mäusen. Dafür präsentierten sie den Tieren verschiedene Düfte, beobachteten deren Reaktion darauf und analysierten gleichzeitig die Gehirnaktivität der Mäuse über verschiedene Biomarker.
Auf diese Weise identifizierten die Forschenden zwei Typen von Gehirnzellen – genannt Drd1+ und Drd2+ –, die die basolaterale Amygdala und die Geruchszentren im ventralen Striatum miteinander verknüpfen. Diese Nervenzellen ermöglichen es so, Gerüche guten oder schlechten Gefühlen zuzuordnen. Anders als erwartet ist dabei aber nicht ein Zelltyp für positive und einer für negative Emotionen zuständig. Stattdessen können beide Zelltypen beides tun und verlaufen parallel. „Es hängt alles davon ab, wo dieser Zelltyp in Ihrem Gehirn endet und wie er mit Strukturen in Ihrem Gehirn interagiert“, erklärt Seniorautor Dan Wesson von der University of Florida. Demnach entscheidet die Lage der Synapsen dieser beiden Zelltypen über die emotionale Reaktion.
Erlösung von Gestanks-Triggern?
Das Wissen darüber, wie subjektive Geruchsempfindungen im Gehirn entstehen, könnte künftig praktischen Nutzen in der Medizin haben. Denn manche Menschen entwickeln krankhafte Abneigungen gegen einzelne oder mehrere Gerüche, etwa bei PTBS, Angstzuständen oder Autismus. Dann reagieren sie alarmiert, obwohl der Duft gar keine Gefahr bedeutet. Das Leben der Betroffenen kann stark von diesem empfundenen „Gestank“ beeinträchtigt sein. „Wenn wir besser verstehen, wie sich unsere Umgebung auf unsere Gefühle auswirkt, können wir glücklichere und gesündere Menschen werden“, sagt Wesson.





