„Das Lachen ist eine Angel, an der sich schon viele verfangen haben”, sagt ein italienisches Sprichwort. Doch wie fing der Mensch das Lachen ein? Das versucht Robert Provine mit seiner Walkie-talkie-Theorie zu beantworten. „Die Evolution des aufrechten Gangs machte die Evolution der Sprachfähigkeit erst möglich”, lautet die These des Psychologen von der University of Maryland-Baltimore County: Erst kam das Gehen, dann das Sprechen. Lachen ist ein altes, instinktives Verhalten, eine der wenigen universalen Formen der lautlichen Kommunikation. „Es ist ein Teil der menschlichen Natur”, sagt Harvey Mindess, Psychologe an der Antioch University in Los Angeles. „Wir kennen keine Kultur, die völlig ohne Humor ist. Lachen verbindet uns mit allen anderen Menschen und weckt das Kind in uns.” Dabei lachen wir anders als unsere tierischen Verwandten. Zwar johlen und brüllen auch Schimpansen in heiterer Ausgelassenheit, necken sich, genießen spaßige Situationen und machen dabei ein typisches Spielgesicht. Aber ein lachender Schimpanse wird sich niemals wie ein lachender Mensch anhören – egal, wie lange man ihn kitzelt. Er gibt laute rhythmische Töne von sich. Provine beschreibt sie als das „ Geräusch einer Handsäge, die Holz sägt”. Es entsteht durch rasches Aus- und Einatmen. Menschliches Lachen besteht dagegen aus wiederholten Schallausstößen, gebildet aus vielen zerhackten Teilen eines einzigen Ausatmungsvorgangs. Kurze vokalähnliche Laute laufen dabei in regelmäßigen Intervallen durch den Vokaltrakt. „Das Lachen variiert zwischen den Individuen, aber ob es ein Hahaha, Hehehe oder Hohoho ist, ändert nichts an der Tatsache, daß Schimpansen wie Schimpansen und Menschen wie Menschen lachen”, sagt Provine. „Im Gegensatz zu Schimpansen lachen wir Menschen wie wir sprechen.” Schimpansen können wegen ihrer Anatomie ihre Atmung und ihren Vokaltrakt nicht so nutzen, daß komplexe Laute entstehen. Der Grund ist laut Provine, daß sie fast dauernd auf allen vieren laufen. Ursprünglich war der Atmungsrhythmus mit der Fortbewegung korreliert – und zwar immer so, daß die Lungen voll Luft sind, wenn die vorderen Gliedmaßen den Boden treffen. Der aufrechte Gang sprengte diese Tyrannei der Schritte, indem er die Tätigkeit der Lunge von der Fortbewegung unabhängig machte. Der Gang auf zwei Beinen muß also entstanden sein, bevor Gelächter und eine komplexe Sprache möglich waren, die einem eigenen lautlichen Rhythmus gehorchen können. Wann dies geschah, ist umstritten. Für den Ursprung der Lautsprache reichen die Schätzungen von wenigen 10000 bis zu vielen 100000 Jahren. Den aufrechten Gang beherrschten unsere Ahnen jedoch schon vor rund drei Millionen Jahren. Für die Entwicklung der Sprache mußte freilich anderes hinzukommen: eine Weiterentwicklung des Gehirns, des Rückenmarks und der Luftröhre. Doch nicht alle Kollegen sind von Provines These überzeugt. Michael Arbib von der University of Southern California findet den Zusammenhang zwischen Sprachentwicklung und aufrechtem Gang zwar einleuchtend, meint aber, daß die Rolle des Lachens dabei nebensächlich gewesen sei: „ Es war die Freiheit der Hände, die es den Menschen zunächst ermöglichte, sich auf eine komplexere Weise zu verständigen. Die Vokalisation folgte der Gestik, um die Bedeutung der Handsignale zu verstärken. Wären wir immer noch Vierbeiner, würde es uns schwer fallen, die Hände ausreichend zur Kommunikation zu nutzen.”
Rüdiger Vaas




