Am 14. Januar 1993 geriet eine Gruppe Vulkanologen in Kolumbien in einen Vulkanausbruch. Ausgerechnet als sie am Krater arbeiteten, explodierte der 4270 Meter hohe Galeras. Sechs Wissenschaftler starben,…
Am 14. Januar 1993 geriet eine Gruppe Vulkanologen in Kolumbien in einen Vulkanausbruch. Ausgerechnet als sie am Krater arbeiteten, explodierte der 4270 Meter hohe Galeras. Sechs Wissenschaftler starben, sechs andere konnten sich retten. Stan Williams, der Leiter der Exkursion, überlebte trotz schwerer Verletzungen und wurde berühmt. “Der Mann, der den Galeras überlebte”, wie er bald genannt wurde, tingelte durch Talkshows und vermarktete seine Popularität mit einem Buch (siehe Rezension in bdw 2/2002).
Die US-amerikanische Wissenschaftsautorin Victoria Bruce stürzt den Medienhelden nun vom Sockel. Sie gibt ihm eine Mitschuld an der Tragödie und beschreibt ihn als charakterschwachen Sonderling. Ihr Vorwurf: Williams habe sich nicht ausreichend um die Sicherheit der Exkursion gekümmert, und die beiden einzigen Kollegen, die Helme trugen, habe er sogar ausgelacht obwohl er hätte wissen müssen, dass mit einem Ausbruch zu rechnen war. Denn die Seismometer hatten böse Vorzeichen geliefert. Doch statt zu warnen, spielte Williams die Gefahr herunter. Nach der Katastrophe zeigte er keinerlei Reue.
Das Buch gibt einen erschütternden Einblick in die menschliche Seite der Wissenschaft. Die Reportage setzt bereits sieben Jahre vor der Galeras-Explosion an, beim verhängnisvollen Ausbruch des kolumbianischen Nevado del Ruiz, dessen Schlammströme rund 23000 Menschenleben forderten. Auch dort war Williams dabei und spielte eine zwielichtige Nebenrolle.
Klaus Jacob