In Deutschland werden pro Jahr fast 150000 Hundebisse ärztlich behandelt. Das sind etwa 90 Prozent sämtlicher Bissverletzungen. Die restlichen zehn Prozent teilen sich Katzen- und Menschenbisse. Doch gerade diese kleine Gruppe macht den Medizinern die meisten Probleme. Darauf verweist Prof. Markus Vogt aus Zug/Schweiz in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift. Gefährlich werden Bisse vor allem, wenn Krankheitskeime aus der Mundflora in die Wunde gelangen. Bei Hunden passiert dies nur in 10 bis 20 Prozent der Fälle. Dagegen infizieren sich bei Katzenbissen etwa 45 Prozent der Opfer. Die kleinen und extrem scharfen Zähne können bis in die Knochen, Sehnen und Gelenke vordringen. Die Wunden sind äußerlich eher unauffällig und verleiten viele Betroffene, auf eine ärztliche Behandlung zu verzichten. Ähnlich hoch wie bei Katzen ist die Infektionsrate bei Menschenbissen. Ein Fünftel dieser Verletzungen sind „Liebesbisse” von heftigen sexuellen Aktivitäten. Die restlichen stammen fast alle von Schlägereien. Bei Faustkämpfen treten meist Risse im Bereich des Mittelfinger-Grundgelenks auf, hervorgerufen durch die Schneidezähne des Gegners. Diese Infektionen sind besonders gefährlich, weil viele Betroffene wegen einer „alkoholbedingten Anästhesie” – so Markus Vogt – erst spät einen Arzt aufsuchen.
Thomas Willke




