„High Touch statt High Tech” – mit diesem Motto versuchen Science Center, Hochschulen und Eventagenturen seit einigen Jahren, die Öffentlichkeit für die Arbeitsweisen und Fakten der Wissenschaft zu begeistern. Sie wollen zeigen, dass sich moderne Physik, Chemie und Biologie nicht nur in aseptischen Laborwelten abspielen, sondern ihre Phänomene in Honiggläsern, Müslipackungen und Fahrradreifen zu beobachten sind.
Dieses Buch meistert den schwierigen Spagat zwischen Spaß und Erkenntnisgewinn vorbildlich. Es bündelt eine Kolumne, die regelmäßig im britischen Magazin „New Scientist” erscheint. In 79 witzigen Experimenten mit Gegenständen aus dem Haushalt lässt der Herausgeber Mick O’Hare die Redaktion des Magazins viele Möglichkeiten ausprobieren, wie man moderne Wissenschaft mit Dingen wie Zahnpasta, Wasserschläuchen und Kühlschränken erfahr- und erklärbar machen kann. So werden die aufsteigenden Schlieren in Weingläsern als „Marangoni-Konvektionen” identifiziert, die auch bei Wolken zu beobachten sind. Und die Tests mit Sandburgen aus unterschiedlich nassem Sand führen den Leser zur Erkenntnis, wie in der Industrie Geschirrspülmittel, Dünger und Arzneikügelchen granuliert werden.
Dass die Experimente Spaß machen, ist den Autoren bei jedem Versuch anzumerken. Die Texte zu den Phänomenen sind gut recherchiert, tiefgängig, uneitel und dabei erstaunlich verständlich geschrieben. Eine drei Seiten lange Liste mit den Namen der Autoren und Experten beweist, dass moderne Wissenschaft Teamarbeit ist. Und hochgradig ansteckend: Nach der Lektüre ist in Küche, Garage und Garten nichts mehr vor Hobbyforschern sicher. Tobias Beck
Mick O’Hare WIE MAN MIT EINEM SCHOKORIEGEL DIE LICHTGESCHWINDIGKEIT MISST Fischer-Taschenbuch, Frankfurt/M. 2009 247 S., € 8,95, ISBN 3–596–18144–5




