Reglos liegt der Körper auf der Erde. Die Folge eines Fehlers: Der Tiger hatte die für ihn unsichtbaren Grenzen seines Schutzgebietes überschritten und war auf der Suche nach Beute in das angrenzende menschliche Revier eingedrungen. Das kostete ihn das Leben.
In seinem Erstlingswerk erzählt der amerikanische Weltreisende und Tierbegeisterte Richard Ives von seiner vierjährigen Suche nach den letzten Tigern in Indien, Nepal und Sumatra. Fesselnd beschreibt er die Situation des bedrohten Räubers und die Enttäuschung derer, die für sein Überleben kämpfen: Nur noch rund 3000 Tiere streifen durch Asiens Wälder. In 15 Jahren, so fürchtet Ives, werden sie nur noch Erinnerung sein, umgebracht durch industrielle Abholzung, Geldmangel in den Schutzgebieten, aus Angst und wegen des Landbedarfs hungernder Menschen und nicht zuletzt wegen der Geldgier der Wilderer.
Um bis zu diesen spannenden Geschichten von Mensch und Tiger vorzudringen, muß sich der Leser allerdings erst auf gut 100 Seiten durch die Beschreibung von Kalkutta und diverser Nationalparks quälen. Am besten überfliegen Sie das erste Drittel: Trockene Sprache, belanglose Dialoge und dürftige Informationen lassen Sie sonst womöglich das Buch gelangweilt aus der Hand legen.
Das wäre schade. Denn ist die Durststrecke erst einmal überstanden, findet Ives plötzlich zu einem ungeheuer pakkenden Stil und wartet mit einer Fülle wissenswerter Details auf. Warum der Verlag diesen Stilbruch nicht ausgebügelt hat, ist unverständlich.
Helga Brettschneider




