Körperlich und geistig unterscheiden sich Menschen beträchtlich von ihren nächsten Verwandten, den Menschenaffen. Die Unterschiede liegen jedoch nicht in den Genen, denn Menschen-Gene sind mit denen von Affen nahezu identisch, sondern vielmehr in der Nutzung der Gene. Das berichtete ein internationales Team von Forschern um Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Die Wissenschaftler hatten 0,1 Prozent des Schimpansengenoms analysiert und bei der Untersuchung der etwa drei Millionen Basenpaare festgestellt, dass 98,7 Prozent des Affenerbguts mit dem des Menschen identisch ist. Dagegen fanden die Forscher erhebliche Unterschiede in der Aktivität der Gene beim Vergleich von Schimpansen, Orang-Utans, Rhesusaffen und Menschen. Am deutlichsten sind die Unterschiede im Gehirn, weniger ausgeprägt sind sie in Leber und Blutzellen. Daraus schließen die Forscher, dass sich im Lauf der Evolution vom Affen zum Menschen die Nutzung von Genen in der Leber weniger verändert hat, als die von Genen im Gehirn. Jetzt arbeiten die Wissenschaftler daran, die Ursachen für diese Unterschiede zu identifizieren. Gerade für die Humanmedizin sind diese Erkenntnisse von großer Bedeutung, da sie dabei helfen könnten, die genetischen Grundlagen für die Anfälligkeit für Aids, Malaria oder Alzheimer besser zu verstehen. So sind Schimpansen gegen die Immunschwächekrankheit Aids resistent. Außerdem kommen bei diesen Primaten Alzheimer und Malaria genauso wie Brustkrebs, Dickdarmkrebs oder Lungenkrebs wesentlich seltener vor als beim Menschen.
Hans Groth




