Wenn man mit einer Fliegenklatsche bewaffnet im Zimmer sitzt und sich durch nerviges Summen in der Konzentration gestört fühlt, könnte man sich mit dem Gedanken anfreunden, diese störenden Viecher ein für allemal verschwinden zu lassen. Doch davon wird man Abstand nehmen, wenn man sich die Folgen dieses Ausrottens überlegt.
Balcombe zeigt, dass Fliegen helfen, Verbrechen aufzuklären, dass sie beim Bestäuben nützlich sind, Abfall entsorgen und sich vor allem um Exkremente verdient machen. „Esst mehr Scheiße“, verkündete ein Poster der 1960er-Jahre, „Millionen Fliegen können nicht irren.“
Wissenschaftler lieben die Fluginsekten, wobei die Genetik es vor allem auf die Fruchtfliege Drosophila abgesehen hat, von der mehr als 100.000 Stämme in den Laboratorien gezüchtet wurden. Das kommt mir genauso unglaublich vor wie die Tatsache, dass es Fliegen aus der Familie der Bibionidae gibt, die ganze 56 Stunden am Stück kopulieren können. Überhaupt hat sich die Forschung eingehend für das Sexualleben der Sechsfüßler interessiert und dabei ungewöhnliche akrobatische Paarungsweisen beobachtet, etwa wenn Männchen die Weibchen kopfunter mit ihren Genitalien schaukeln, während sie sich an senkrechten Wänden festhalten.
Als man dabei auf die Frage kam, ob Fliegen Spaß am Sex haben oder nur eine biologische Pflicht vollziehen, suchte man im Labor nach Weibchen, die sich gerne paarten, um die Folgen ihres willigen Verhaltens mit denen von Fliegen zu vergleichen, die auf Annäherungsversuche ausweichend reagierten. Man bot den Männchen Alkohol an, und wie man es von den Menschen her kennt, konsumierten die frustrierten Fliegen deutlich mehr als die sexuell befriedigten Fliegen.
In einem unglaublichen Experiment wurden Männchen mit genetischen Eingriffen so verändert, dass sie ejakulierten, wenn sie von rotem Licht beleuchtet wurden. Als man im Labor einen „Red-Light-District“ einrichtete, versammelten sich alle manipulierten Fliegen in dieser Zone, und dort angekommen, wollten sie keinen Alkohol trinken, sie waren erregt genug. Insgesamt ließen die hier nur angedeuteten Experimente erkennen, dass ein gesundes Sexleben der Gesundheit der Fliege dient. Wenn Männchen nur weibliche Fliegenpheromone angeboten bekommen, ohne dass ihnen Gelegenheit zur Paarung gegeben wird, reagieren sie gestresst, verweigern die Aufnahme von Nahrung und sterben früher als gewöhnlich. Irgendwie kommen einem Fliegen vor wie Menschen.





