Vor 6200 Jahren taten sich viele Menschen zusammen und bauten in die Flussebene eine Stadt, „Susa” genannt – eine richtige Metropole mit Akropolis, gewaltigen Freitreppen, riesigem Tempel und Unterstadt. Nichts Besonderes im Alten Orient, könnte man meinen. Doch die am Reißbrett geplante Stadt wurde gut 700 Jahre vor Uruk erbaut, der sumerischen Siedlung, mit der – so die bisherige Lehrmeinung – um 3500 vor Christus die rasante Verstädterung des Menschen in Südmesopotamien begann.
Und es kommt noch schlimmer: In Susa scheint es die ersten Zeugnisse „typisch mesopotamischer” Stufentempel zu geben, außerdem Hinweise auf eine zentrale Verwaltung mit Zählsystemen und – Lehrbuchketzerei! – auf den Beginn der Schrift: 1000 Jahre vor den bisherigen Schriftwiegen Uruk in Sumer und Abydos in Ägypten!
Heidemarie Kochs Kompendium ist zurzeit das einzige Buch zur Geschichte und Kultur der rätselhaften Elamer, die über gut 3000 Jahre die wirtschaftlichen und politischen Geschicke der Region entscheidend mitbestimmten und in der Frühzeit sogar die kulturelle Entwicklung vorantrieben. Fast nebenbei verrät die Autorin das neueste Wissen über das Leben der Elamer. Die Altiranistin an der Universität Marburg erzählt von den Kriegen der Könige und den inzestuösen royalen Familienbanden, von den Nachbarn und Göttern, den Tempeln und geheimnisvollen Gräbern – und von dem erstaunlich freien Leben der Frauen in Elam. Michael Zick
Heidemarie Koch FRAUEN UND SCHLANGEN Geheimnisvolle Kultur der Elamer in Alt-Iran von Zabern, Mainz 2007 190 S., € 39,90 ISNB 978-3-8053-3737-3




