Vier bis sechs Wochen verbringt Rebecca Klug jeden Sommer auf Sizilien. Das hört sich nach Traumurlaub an. Aber es ist Knochenarbeit. Rebecca Klug studiert in Bochum im 7. Semester Klassische Archäologie, Ur- und Frühgeschichte sowie Geschichte. In diesem Sommer arbeitet sie zum vierten Mal mit anderen Studenten unter Leitung von Johannes Bergemann auf der italienischen Insel. Die Bochumer Archäologen-Truppe will herausfinden, wie die Griechen die Gegend um die Stadt Gela im 7. und 6. vorchristlichen Jahrhundert besiedelt haben. Jeden Tag sind die Studenten acht Stunden unterwegs, jeder auf einem vorher eingeteilten Geländestreifen. Dort sammeln sie alles auf, was„ antik” sein könnte. Die Neugier treibt sie an, die Suche nach dem „Schatz”. Der muss nicht unbedingt aus Gold sein. „Einmal hat ein Kommilitone ein Terrakotta-Relief gefunden”, erinnert sich Rebecca Klug. Nicht immer gibt die Erde ihr Geheimnis sofort preis. So entpuppte sich ein lehmverkleistertes Stück Ton, das wie der Henkel eines Gefäßes aussah, erst nach der Säuberung als bezauberndes Terrakotta-Köpfchen.
Doch meist sind es Keramikscherben, die die Sammler in ihre Plastiktüten packen. Als Einzelfund sind sie uninteressant, doch es sind viele. Zusammen berichten sie über Wohnen und Handel, über Bestattungsriten oder Ernährung der griechischen Kolonisten. „Die Arbeit ist meistens spannend”, erzählt Rebecca Klug, „Wenn man mal einen Tag lang nichts findet, ist das allerdings frustrierend. Dann merkt man plötzlich, dass vom vielen Bücken der Rücken schmerzt.”
Nach zwei Wochen Feldarbeit beginnt die Auswertung. Die Fundstücke werden gewaschen, sortiert, klassifiziert und datiert. So entsteht aus vielen Puzzleteilen ein buntes Bild von der Besiedlung der Gegend. Rebecca Klug will der staubigen Erde Siziliens noch viele Geschichten entlocken. Ulrike Biehounek





