Viele tierbesitzer berichten, dass ihr Hund oder ihre Katze genau weiß, wann sie nach Hause kommen. Außerdem kursieren immer wieder unglaubliche Geschichten von Haustieren, die über zig Kilometer durch völlig fremdes Gelände zurückgefunden hätten. Und: Hunde können nachweislich erkennen, ob einem Epileptiker ein Anfall droht. Schon seit Langem rätseln Forscher, wie sich solche Berichte von ver- blüffendem Wahrnehmungs- und Orientierungsvermögen von Tieren interpretieren lassen.
Über Vögel und Insekten wissen die Forscher gut Bescheid. Doch über die Orientierungsfähigkeit von Haustieren gibt es kaum gesicherte Erkenntnisse. Katzen scheinen sich in ihrem Revier anhand von Gerüchen, Geräuschen und optischen Landschaftsmerkmalen zurechtzufinden, wie der Katzenforscher Paul Leyhausen in den Siebzigerjahren herausfand. Aber Genaues wusste auch er nicht. Rupert Sheldrake, Autor populärer Bücher wie „Der siebte Sinn der Tiere”, behauptet sogar, Tiere hätten telepathische Wahrnehmungsfähigkeiten. Wissenschaftliche Untersuchungen für seine Behauptungen gibt es freilich nicht.
Nach dem verheerenden Tsunami am 26. Dezember 2004berichteten die Medien immer wieder über das merkwürdige Verhalten von Tieren in den bedrohten Küstenregionen: Viele hatten die Flucht ergriffen, lange bevor die Riesenwelle die Küsten erreichte. Solche Anekdoten gibt es seit der Antike. Schlangen krochen demnach mitten im Winter aus ihren Nestern, Ratten verließen die Kanalisation, Haus- und Wildtiere verhielten sich merkwürdig – teilweise Tage oder manchmal auch nur Stunden, bevor ein Erdbeben stattfand.
In China ist man deshalb in den Siebzigerjahren dazu übergegangen, in Risikogebieten nicht nur seismische Aktivitäten zu überwachen, sondern auch auf das Verhalten von Tieren genauer zu achten. Das hat tatsächlich vielen Menschen das Leben gerettet. Denn aufgrund solcher Berichte wurde 1975 die chinesische Stadt Haicheng evakuiert – zwei Tage danach zerstörte ein schweres Erdbeben den Ort fast vollständig.
Doch bis heute weiß niemand, wie Tiere in der Lage sein könnten, die Vorboten eines Erdbebens zu erspüren. Manche Wissenschaftler glauben, Tiere würden höchst sensibel auf winzige Vorbeben reagieren. Andere vermuten, dass die Geschehnisse unter der Erdoberfläche zu elektrostatischen Veränderungen führen, die manche Tiere fühlen können. Beweise gibt es bis heute allerdings keine.





